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Prominente Pleiten: Wenn Millionen nicht reichen

Leerer Konzertsaal mit einem einzelnen Spotlight auf der Bühne

Boris Becker soll zeitweise über 131 Millionen Euro besessen haben. 2017 erklärte ihn ein Londoner Gericht für pleite. Mike Tyson verdiente mit dem Boxen über 300 Millionen Dollar und war 2003 insolvent, nachdem er nach eigenen Angaben rund 500 Millionen ausgegeben hatte.

Solche Fälle sind interessanter, als sie zunächst wirken. Die Muster hinter den Insolvenzen von Stars sind dieselben, die auch normale Haushalte in Schulden führen, nur mit mehr Nullen. Diese sechs Punkte tauchen fast immer auf, wenn ein Prominenter für insolvent erklärt wird.

1. Das Einkommen ist ein Zeitfenster, die Ausgaben sind dauerhaft

Ein Boxer verdient über acht bis zwölf Jahre, ein Fußballprofi über zehn bis fünfzehn. Ein Musiker hat drei erfolgreiche Alben und danach vielleicht nichts mehr. Die Villa, das Personal und die Autos laufen in dieser Zeit aber weiter.

Genau hier liegt der erste Fehler: Das Ausgabenniveau richtet sich am besten Jahr aus, nicht am Durchschnitt über zwanzig Jahre. Wer in einem Jahr 8 Millionen verdient und danach 200.000, hat kein Einnahmen-, sondern ein Anpassungsproblem.

Für Normalverdiener sieht dasselbe Muster so aus: Nach einer Gehaltserhöhung steigt der Lebensstandard sofort, bei einem Rückschlag lässt er sich nicht in derselben Zeit zurückfahren. Rund zwei Drittel aller Privatinsolvenzen gehen auf eine solche Lücke zurück. Wer die Grundlagen kennt, wie die Schufa Zahlungsverhalten erfasst, findet im Grundwissen zur Schufa den Überblick darüber, wie schnell aus verspäteten Zahlungen ein Eintrag wird.

2. Vermögen ist nicht gleich Liquidität

Ein Star mit einem Vermögen von 20 Millionen Euro kann trotzdem insolvent sein. Der Grund: Das Vermögen steckt in Immobilien, Beteiligungen und Kunst, nicht auf dem Konto.

Kommt eine Steuerforderung über 4 Millionen Euro und lässt sich die Villa nicht in sechs Wochen verkaufen, hilft der Vermögenswert nicht. An dieser Stelle kam es bei mehreren großen Fällen zur Insolvenz, obwohl sie auf dem Papier vermeidbar aussah.

Die Faustregel gilt in jeder Größenordnung: Liquide Reserven brauchen Sie in Höhe der Verpflichtungen der nächsten sechs Monate, unabhängig davon, wie hoch das Gesamtvermögen ist.

3. Scheidungen und Unterhalt treffen härter als jede Fehlinvestition

Bei Boris Becker begann der finanzielle Abstieg 2001 mit der teuren Scheidung von seiner ersten Frau. Dazu kamen Unterhaltsforderungen aus einer weiteren Beziehung.

Das ist kein Einzelfall. Bei den großen Pleiten von Stars sind Scheidungen der häufigste einzelne Auslöser, noch vor schlechten Investments. Der Grund ist strukturell: Eine Scheidung halbiert das Vermögen und schafft gleichzeitig dauerhafte laufende Verpflichtungen.

Bei Normalverdienern wirkt derselbe Mechanismus. Eine Trennung bedeutet zwei Haushalte statt einem, bei unverändertem Gesamteinkommen. Die Fixkosten steigen dadurch um rund 40 bis 60 Prozent.

4. Berater ohne Kontrolle sind ein eigenes Risiko

Viele Prominente delegieren ihre Finanzen vollständig. Das ist verständlich, weil sie beruflich anders ausgelastet sind, und es geht regelmäßig schief.

Drei Varianten wiederholen sich:

Provisionsgetriebene Beratung. Produkte werden verkauft, weil sie dem Berater Geld bringen, nicht weil sie passen. Geschlossene Fonds und Steuersparmodelle der neunziger Jahre haben so ganze Vermögen vernichtet.

Fehlende Trennung von Vollmachten. Wer einer einzelnen Person unbegrenzte Kontovollmacht gibt, hat kein Kontrollsystem mehr.

Keine Prüfung der Steuererklärungen. Bei mehreren dieser Insolvenzen standen am Ende Steuerforderungen, die über Jahre aufgelaufen waren, weil niemand nachgesehen hat.

Die Lehre daraus ist unspektakulär: Delegieren ja, Kontrolle behalten. Ein Blick auf die Konten pro Monat und ein zweiter Berater, der gegenliest, verhindern die meisten dieser Fälle.

5. Unternehmerische Beteiligungen ohne Fachwissen

Ein wiederkehrendes Muster bei prominenten Pleiten: Der Star investiert in eine Branche, von der er nichts versteht. Restaurants, Modelabels, Clubs, Immobilienprojekte.

Der Fehler liegt nicht im Investieren, sondern in der Kombination aus fehlendem Fachwissen, persönlicher Haftung und hohem Einsatz. Wer als Kommanditist 200.000 Euro in ein Restaurant steckt, riskiert 200.000 Euro. Wer als Gesellschafter bürgt, riskiert alles.

Bei einem Unternehmen sieht man denselben Mechanismus in größerem Maßstab. Als Beispiel führen Wirtschaftsmedien regelmäßig große Fälle an, in denen ein Unternehmen die Expansion über Kredite finanzierte und die erwarteten Einnahmen ausblieben, etwa bei Rechten, deren Preise durch Werbung und Pay-TV nicht gedeckt waren.

Aktuelle Zahlen zu Unternehmensinsolvenzen in Deutschland veröffentlicht das Statistische Bundesamt.

6. Das Comeback ist möglich, aber selten so wie vorher

Eine Insolvenz ist kein Ende. In Deutschland dauert das Verfahren für natürliche Personen inzwischen drei Jahre bis zur Restschuldbefreiung. Danach ist die Person schuldenfrei, der Schufa-Eintrag bleibt allerdings noch eine gewisse Zeit bestehen.

Was danach kommt, unterscheidet sich stark:

Ausgang Wie häufig Voraussetzung
Rückkehr auf altes Niveau selten Marktwert ist noch da
Neustart in verwandtem Feld häufig Bekanntheit lässt sich nutzen
Dauerhaft reduziertes Niveau am häufigsten Ausgaben angepasst
Erneute Insolvenz kommt vor Verhalten unverändert

Die vierte Zeile tritt vor allem dann ein, wenn nur die Schulden verschwunden sind, nicht die Gewohnheiten.

Wer nach einer Pleite mit demselben Ausgabenverhalten weitermacht, wird ein zweites Mal für insolvent erklärt. Das gilt für Millionenvermögen genauso wie für ein Girokonto im Dauerminus.

Was sich daraus mitnehmen lässt

Die Übertragung auf normale Haushalte ist naheliegender, als die Beträge vermuten lassen:

  • Am Durchschnitt planen, nicht am besten Monat. Sonderzahlungen und Boni gehören auf ein separates Konto, nicht in den laufenden Lebensstandard.
  • Liquide Reserve halten, mindestens drei Nettogehälter, unabhängig von anderen Vermögenswerten.
  • Verpflichtungen begrenzen, die dauerhaft laufen. Leasingraten, Abos und Kredite binden künftiges Einkommen.
  • Keine Bürgschaften ohne vollständigen Überblick. Sie sind der häufigste Weg, wie Privatpersonen fremde Insolvenzen mittragen.
  • Finanzen selbst kontrollieren, auch wenn jemand anderes sie verwaltet.
  • Bei ersten Zahlungsschwierigkeiten früh reagieren. Schuldnerberatungsstellen der Kommunen sind kostenlos und rund ein Jahr früher hilfreich, als die meisten glauben. Wer erst zum Gericht geht, wenn der Insolvenzantrag ansteht, hat viel Zeit verloren.

Interessant ist der Blick auf die Zahlen dahinter. Wer sich etwa anschaut, wie sich das Vermögen von Keith Richards über Jahrzehnte aufgebaut hat, sieht ein Gegenbeispiel: langfristige Einnahmen aus Rechten statt einmaliger Spitzenverdienste. Ähnlich verhält es sich beim Vermögen von Rudi Völler, bei dem auf die aktive Karriere ein zweites, planbares Berufsleben folgte.

Genau das ist der Unterschied zwischen einem Spitzenverdienst und einem tragfähigen Einkommen. Die Insolvenzen von Prominenten sind selten eine Frage der Höhe, sondern fast immer eine der Dauer.

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