Designing the Surface

Produkte und Objekte definieren sich nicht nur durch ihre Proportionen, sondern mindestens genauso unmittelbar über ihre Oberfläche – optisch, haptisch, emotional. Zugleich ist die Oberfläche durchaus ambivalent, etwa wenn sie Erhabenheit simuliert, wo Banalität herrscht. Dem Phänomen der Oberfläche nimmt sich „Designing the Surface“ an, eine Ausstellung im Rotterdamer Nieuwe Instituut.

Endlich. Eine Ausstellung wagt sich an das Thema Oberfläche – so allgegenwärtig sie ist, so oft spielt sie bei der Betrachtung unserer Objektwelt eine sehr untergeordnete Rolle. Dabei ist die Oberfläche das, was uns stets zuerst begegnet, wenn wir ein Produkt betrachten, berühren, nutzen. Oft bestehen Oberflächen aus Beschichtungen, wenige Mikrometer dünne Überzüge, die die optische Präsenz bestimmen und oft genug auch funktionale Erweiterungen bieten. Und das nicht erst seit der Industrialisierung der Nanotechnologie mit der Möglichkeit, Flächen antibakteriell, wasserabweisend, leitfähig oder schmutzabbauend auszurüsten.

„Designing the Surface“ packt diesen Themenkomplex nun also endlich an. Und zählt uns gleich die Widersprüche auf: Warum werden Gebrauchsspuren historischer Objekte als veredelnde Patina betrachtet, während moderne Produkte durch Alterung an Wert verlieren? Wie nahe beieinander liegt der makellose Lackglanz eines Autos und das rostige Blech?

Die vom Produktdesigner Chris Kabel kuratierte Schau nähert sich dem Thema über fünf Aspekte: Patina, Lustre, Faux, Agency und schließlich Teflon als Synonym für Oberflächen, die resistent gegen jede Annäherung sind. Ein interessanter Ansatz, weil er nicht von den sonst üblichen technischen Anwendungskategorien oder Einsatzbereichen kommt. Daraus hätte man allerdings mehr machen können. Stattdessen neigt die überschaubare Ausstellung zur Überinszenierung der Exponate: In der Sparte Lustre etwa werden die Objekte hinter eine umlaufenden Abschirmung platziert, hinter die nur an bestimmten Stellen durch kleine Öffnungen geschaut werden kann. Ist dies bereits überflüssig, so drehen sich die Objekte auf Plattformen vor sich hin und werden lediglich mit kleinen Nummernschildern gekennzeichnet. Nur wer im zugehörigen Begleitbüchlein nachschlägt, darf Auflösung erhoffen. Aber auch die bleibt buchstäblich an der Oberfläche. Ein bißchen mehr Informationen hätte man sich dann doch gewünscht. Um „Teflon“ zu erleben, muss man gar von unten in eine Pyramide eintauchen, die so dunkel ist, dass man die spärlichen Erläuterungen im Buch nicht lesen kann – sinnigerweise sind sie weiß auf schwarz gedruckt.

Exponatemäßig reicht die Bandbreite von traditionellen, handwerklichen Oberflächenveredelungen bis hin zu Vantablack, dem schwärzesten Schwarz überhaupt – es ist also durchaus etwas geboten, aber unter dem Strich zu wenig.

Wer sowieso in Rotterdam weilt, möge die Ausstellung besuchen, eine Stunde sollte man einkalkulieren. Extra die Reise in die niederländische Hafenstadt anzutreten lohnt nicht. Leider.

Designing the Surface
Bis 20. August 2017 | Het Nieuwe Instituut, Rotterdam
https://designingthesurface.hetnieuweinstituut.nl/en

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One Comment

  1. Die Ausstellung bemüht sich um ein sehr interessantes und für Produktdesigner wie uns relevantes Thema. Oberflächen umgeben uns im täglichen Leben, wirken und beeinflussen unsere Wahrnehmung – auch wenn wir das nicht immer bemerken. 😉
    Schade, dass es solch ein Ausstellung nicht hier im Umfeld von Stuttgart gibt.

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