VDID Newcomers’ Award 2017

Der mittlerweile 8. Nachwuchspreis des VDID ist entschieden: Die Jury vergab vier gleichwertige Preise. Für ein smartes Mikroskop einen ebensolchen Impfpass, ein Blut-Transfusionssystem und eine interaktive Stehleuchte. Dazu gesellen sich noch vier Anerkennungen.

Satte 136 Einreichungen von 33 Hochschulen standen zur Bewertung an, eine große Bandbreite an innovativen und spannenden Studentenarbeiten aus dem Bereich Industrialdesign. Das Thema war wie bereits in den Vorjahren frei, allerdings durften die Arbeiten nicht vor dem Jahr 2015 entstanden sein.

Alle Ausgezeichneten erhalten als Preis die Messepräsentation auf der interzum 2017 (16. bis 19.5.2017, Köln) sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit inklusive Drucksachen in Kooperation mit der Koelnmesse und dem VDID. Die vier Preisträger 2017 gewinnen darüber hinaus einen einwöchigen Workshop-Aufenthalt auf der Domaine de Boisbuchet in Frankreich. Hauptsponsor des Preises ist die Koelnmesse, zu den Medienpartnern gehören der designreport sowie zwomp.de

Ausgezeichnet: Mikroskop „Skop“ von Julian Sommer

Wie kann das Mikroskop für die nächste Generation von Entdeckern modernisiert werden? So die Ausgangsfragestellung von Julian Sommers Bachelorarbeit. Natürlich hat die Digitalisierung von optischen Geräten längst in der Forschung Einzug gehalten. Aber noch haben die smarten Technologien nicht die Freizeitnutzung von portablen Mikroskopen erreicht. „Skop“ eröffnet dem Nachwuchs einen einerseits vertrauten und dennoch neuen Zugang zur naturkundlichen Erforschung der Welt. Aus der Jurybegründung: Julian Sommer schafft eine intelligente Verbindung zwischen klassischer Naturkunde und den aktuellen digitalen Möglichkeiten. Man bekommt beim Studieren seiner Arbeit Lust nach draußen zu gehen und die Natur auf diese moderne Weise zu erkunden. Die Geräteerweiterungen und Zusatzfunktionen von Makro-/Micro-Modus sind klug weitergedacht. Ein kompletter, schöner Entwurf – ein „Wannahave“ für die Zukunft.

Bergische Universität Wuppertal, Bachelorarbeit 2016, Betreuer: Prof. Gert Trauernicht und Prof. Matthias Schönherr

Ausgezeichnet: Smarter Impfpass von Thorben Wieck

Die Impfpass-App für Smartphones gibt nicht nur einen Überblick über den persönlichen Impfstatus, sie erinnert auch an das Wiederauffrischen des Schutzes oder prüft, ob für die Reise in ein bestimmtes Land weitere Impfungen notwendig sind. In der passwortgeschützten App lassen sich auch Familienmitglieder hinterlegen und abrufen, Veränderungen des Status gehen direkt vom Arzt in das System. Wie, lässt Wieck noch offen. Aus der Jurybegründung: „Smarter Impfpass“ ist ein gutes Beispiel für „Serious Apps“, die dem User einen tatsächlichen Nutzwert bieten. Visuell orientiert sich die App an dem bekannten gelben Erscheinungsbild des WHOImpfausweises, die notwendigen Icons und Statusanzeigen sind klar und eindeutig gestaltet, die App selbst intuitiv bedienbar und bewusst niedrigkomplex gehalten. Thorben Wiecks Projekt verbindet die digitale Welt mit den Notwendigkeiten des realen Lebens und hat eine hohe soziale Relevanz.

Muthesius Kunsthochschule, Kiel, 5. Semester 2016, Betreuer: Prof. Frank Jacob

Ausgezeichnet: „Bloop“ von David Woijcik 

In Schwellenländern können viele Menschen aufgrund mangelnder Blutreserven nicht operiert werden. Jährlich sterben über eine Million durch Blutungen während einer OP. Moderne Technik um Blut zu sammeln, zu reinigen und zurückzuführen, steht nicht zur Verfügung. Oft wird das Blut per Schöpfkelle direkt aus der Wunde abgeschöpft. Das Autotransfusionssystem „Bloop“ nimmt sich des Blutrecyclings in diesen Ländern an. Das Konzept basiert auf einem simplen physikalischen Prinzip, ermöglicht einfache Blutaufnahme und wurde zum System für verschiedene Einsatzbereiche entwickelt. Aus der Jurybegründung: Das Projekt zeigt ein hohes Problembewusstsein und nutzt den Designprozess verantwortungsvoll. Die Analyse der Problematik des Blutrecyclings führt zu einem überzeugenden Ansatz. Umgesetzt ist „Bloop“ mit raffiniert einfacher Technik und klarem ansprechenden Design. Die Ausbaustufen für unterschiedliche Anwendungen runden das System ab. Ein ganzheitlicher Ansatz, der die Jury außerordentlich überzeugte.

HfG Schwäbisch Gmünd, Bachelorarbeit 2016, Betreuer: Prof. Dr. Jürgen Held, Prof. Dr. Susanne Schade, Prof. Sigmar Willnauer

Ausgezeichnet: „Timelight“ von Thomas Theling

Der Sonderpreis der Mentor GmbH ging an die interaktive Stehleuchte und Uhr „Timelight“, die den Nutzer zu einem bewussten Umgang mit Licht und einen stärkeren Bezug zum Produkt animieren soll – und so die immer kürzeren Lebenszyklen von Produkten hinterfragt. „Timelight“ kombiniert die Funktionen Stehleuchte und Uhr in einem archetypischen Design. Aus der Jurybegründung: Das Thema Produktlebenszyklus zeigt Verantwortung im Umgang mit dem Überfluss, der zu immer schnellerem Austausch von Produkten führt. Gestaltung kann dem entgegenwirken und Produkte hervorbringen, die emotional binden. Durch Interaktion mit der Uhr/Leuchte „Timelight“ wird der spielerische und bewusste Umgang gefördert und der persönliche Bezug zum Produkt gestärkt. Die „Zwei-in-Eins“- Funktionalität ist minimalistisch angelegt und wurde gestalterisch in diesem Sinne sowohl ästhetisch als auch spielerisch umgesetzt.

Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, 1. Semester Master 2015/16, Betreuer: Prof. Gerd Flohr

Anerkennung: Bienenhabitat von David Gebka

„Habitat“ bietet Bienenschwärmen in Städten einen autonomen Lebensraum, ohne sie als Produktionsmittel zu nutzen – ein Gegenentwurf zum „Urban Beekeeping“. Ein Bienenschwarm sucht sich seinen neuen Nistplatz anhand verschiedener Kriterien wie Geometrie, Lage aus. „Habitat“ soll diese Anforderungen so gut es geht erfüllen, um für den Schwarm einladend zu sein. Die äußere Form und Struktur sind Zitate, basierend auf der Bienenarchitektur. Ziel ist hierbei explizit nicht die Honigproduktion, sondern die Interessen der Bienen stehen im Mittelpunkt. Aus der Jurybegründung: Konsequent „nutzlos“, aber nützlich für die Bienen, schafft „Habitat“ Aufmerksamkeit für die Symbiose zwischen Menschen und städtischer Fauna sowie den schwindenden Lebensraum für Wildbienen. Das Hightech-Produkt nimmt die ursprünglichen Formen der Natur auf.

Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Studienprojekt 2015, Betreuer: Prof. Uwe Fischer

Anerkennung: Zitrusstab von Timo Heinen

„Wie bekomme ich den Saft aus einer Zitrusfrucht?“ Die präzisierte Aufgabenstellung lautete: Der Nutzer möchte wenige Male im Jahr an den Saft einer Zitrusfrucht gelangen. Hierzu will er ein platzsparendes, schnell zu reinigendes Hilfsmittel haben, welches er für sämtliche Zitrusfrüchte verwenden kann. Die Lösung: Mit diesem gegossenen Metallstab gelangt der Nutzer mühelos in das Innere der Zitrusfrucht. Durch das Drehen des Stabes schabt dieser die Fruchtwand ab. Dabei werden die Saftzellen in der Frucht zerstört, und der Saft kann entweichen. Aus der Jurybegründung: Der Zitrusstab besticht durch seine Einfachheit, ist schnell einsatzbereit und gut zu reinigen. Reduziert auf ein Minimum, passen Formgebung und Materialwahl optimal zur Lösung der Aufgabe, gelegentlich Saft für Getränke und Speisen zu gewinnen.

Hochschule Hannover, Studienprojekt 2015, Betreuer: Prof. Gunnar Spellmeyer

Anerkennung: Rurale Mobilität von Julia Hunold

Betrachtet man den ÖPNV, den Logistik- und Warenverkehr sowie mobile Dienstleistungen im ländlichen Raum, wird deutlich, dass alle Akteure getrennt voneinander unterwegs sind – in Fahrzeugen, die nicht immer ausgelastet sind. Vor allem bei Rückfahrten im Logistik- und Warenverkehr sind die Laderäume meist leer. Hier setzt das Konzept an: durch die Bündelung des

Personen-, Waren- und Dienstleistungsverkehrs öffentliche Mobilität im dünn besiedelten ländlichen Raum zukünftig überlebensfähig zu machen. Es umfasst ein neues Fahrzeugkonzept, das Überdenken herkömmlicher Haltestationen sowie ein neues Dorfladenkonzept. Das Hauptaugenmerk liegt auf einer ressourcenschonenden Gestaltung der Fahrzeuge unter Einbeziehung einer multifunktionalen Nutzung und Interaktion. Aus der Jurybegründung: Die eingehende, umfassende Analyse komplexer Zusammenhänge führt zum konsequenten Clustern unterschiedlicher Dienstleistungen. Das entwickelte System bildet eine umfassende Infrastruktur mit vielen Facetten und verbindet digitale und analoge Welt.

Weißensee Kunsthochschule Berlin, Masterarbeit 2016, Betreuer: Prof. Nils Krüger und Prof. Dr. Jörg Petruschat

Anerkennung: „Spielbein“ von Peter Otto Vosding

Die Themenstellung: Bestuhlung kleiner und mittlerer Räume. Das Ergebnis: „Spielbein“ ist ein Sitzobjekt zur variablen Bestuhlung eben solcher Räume. Der Stuhl hat auf einer Seite senkrechte und auf der anderen zwei schräg nach außen gestellte Beine. Seine Grundform erinnert an einen Menschen, der locker dasteht mit einem Standbein und einem Spielbein. Bildet man eine Stuhlreihe, indem man die schrägen Beine eines Stuhls zwischen die senkrechten des nächsten schiebt, entsteht der Eindruck von überkreuzten Beinen. Aus der Jurybegründung: Durch die raffinierte Aneinanderreihung der einzelnen Stühle entstehen in der Länge variable Bänke, auf denen Personen bei Bedarf enger zusammenrücken können. Auch als freistehende Reihe bilden die Objekte eine reizvolle Einheit. Ein formal sehr ansprechender, stimmig gelöster Entwurf.

Hochschule Darmstadt, Diplomarbeit 2015, Betreuer: Prof. Tino Melzer

Zur Jury 2017 gehörten: VDID Präsident Stefan Eckstein, Iris Laubstein vom VDID NRW, Nils Müller (MMID Group, Delft/Essen), Arne Petersen (Koelnmesse), Nina Ruthe-Klein (Design Studio NIRUK, Köln) und Armin Scharf von zwomp.de.

 

Preisverleihung
Die offizielle Verleihung der Preise und Anerkennungen wird im Rahmen des VDID Industriedesigntages am 16. Mai 2017 um 17:00 in Halle 4.2 der Koelnmesse stattfinden.
Alle Details zu den acht Arbeiten beim VDID oder hier im Flyer als pdf-Download.

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