NGT Cargo: Güterzug-Vision vom DLR


Am DLR arbeitet man weiter an Studien zum künftigen Schienenverkehr. Jetzt präsentierte das Institut die Studie für einen Hochgeschwindigkeits-Güterzug mit autonomen Eigenschaften: Der NGT Cargo soll den Transport beschleunigen – nicht nur auf der Strecke.

Aerodynamischer Güterverkehr: Der Entwurf für den Triebwagen des „NGT Cargo“, könnte laut DLR bis zu Tempo 400 fahren | Abb. DLR

Aerodynamischer Güterverkehr: Der Entwurf für den Triebwagen des „NGT Cargo“, könnte laut DLR bis zu Tempo 400 fahren | Abb. DLR

Seit Jahren ist der Gütertransport per Schiene rückläufig. Das DLR sieht die Gründe dafür unter anderem in den Betriebsabläufen, die zu einer langen Transportzeit führen. Vor allem im so genannten Einzelwagenverkehr macht das DLR durch manuelle Kuppelvorgänge und daraus resultieren Standzeiten eine „durchschnittliche Systemgeschwindigkeit von nur 18 Stundenkilometern“ aus. Dazu komme die lange Vorlaufzeit, um Wagen, Trassen und Personal zu planen. „Ganzzüge, die nicht rangiert werden und mit ganz vielen Wagen eine große, einheitliche Frachtmenge von Punkt A nach Punkt B bringen, beherrschen aktuell den Güterverkehr“, erklärt der NGT-Projektleiter Dr. Joachim Winter.

Das Projekt „NGT Cargo“ des DLR zielt daher darauf ab, die Abläufe zu beschleunigen. Das soll aber nicht nur mittels eines deutlich höheren Fahrttempos möglich sein – bei bestehenden Strecken wären das 160 bis 200 km/h, bei entsprechender Infrastruktur gehen die Forscher sogar von Tempo 400 aus – sondern durch eine weitgehende Automatisierung der Rangiervorgänge.

Das Konzept des „NGT Cargo“ basiert auf Einzelwagen, die autonom rangieren und sich zu Zugverbänden kombinieren | Abb. DLR

Das Konzept des „NGT Cargo“ basiert auf Einzelwagen, die autonom rangieren und sich zu Zugverbänden kombinieren | Abb. DLR

Der automatisch fahrende „NGT Cargo“ wird je nach Bedarf aus Einzelwagen und leistungsstarken Triebköpfen zusammengestellt und automatisch gekuppelt. „So können wir unterschiedlichste Güter flexibel, ressourcenschonend, mit geringem personellen Aufwand und kurzen Transportzeiten befördern“, fasst Joachim Winter die Vorteile des Zugkonzepts zusammen. Da in Zukunft vor allem der Transport von kleinteiligen Sendungen stark zunehmen wird, liegt der Fokus auf einem schnellen, verläßlichen Güterverkehr.

Das DLR-Konzept sieht daher vor, autonome Einzelwagen mit einem oder zwei Triebköpfen zu kombinieren. Die Einzelwagen verfügen über eigene elektrische und batteriebasierte Antriebe – dadurch können die Einzelwagen selbstständig rangieren, Rangierpersonal und Rangierloks oder Oberleitungen entfallen. Außerdem können die Einzelwagen automatisch und autonom die letzten Kilometer zum jeweiligen Kunden fahren – sofern dieser noch über einen Gleisanschluss verfügt. Die Wagen können auch direkt in Häfen, Umschlagsbahnhöfe oder Logistikterminals hineinfahren bis hin zu den Hochregalen, wo sie dann ebenfalls automatisiert be- oder entladen werden. Im Gegensatz zum aktuell fahrenden Wagenmaterial, werden die Wagen des „NGT Cargo“ geschlossen und aerodynamisch verkleidet sein. Die Lücken zwischen den einzelnen Wagen entfallen, was den Fahrwiderstand verringert und so für weniger Lärm sorgt.

Idee für ein Logistikzentrum mit automatischer Be- und Entladung der Wagen des „NGT Cargo“ | Abb. DLR

Idee für ein Logistikzentrum mit automatischer Be- und Entladung der Wagen des „NGT Cargo“ | Abb. DLR

Mehrere Triebwagenzüge lassen sich während der Fahrt zu einem Verband zusammenstellen (sogenanntes dynamisches Flügeln), der aber nicht durch eine physische Kupplung, sondern nur virtuell kombiniert ist. Auch eine Kombination mit dem Hochgeschwindigkeitspersonenzug „NGT HST“ ist laut DLR theoretisch möglich – auf diese Weise könnte man Personen- und Güterverkehr so bündeln, dass vorhandene Streckenkapazitäten optimal ausgelastet sind.

Nach der Vorstellung des grundlegenden Konzepts für den „NGT Cargo“ machen sich die DLR-Wissenschaftler nun daran, ein detailliertes Logistik- und Betriebskonzept zu erarbeiten, Terminals und Entladestellen zu designen sowie an der Fahrzeugarchitektur und dem Antriebskonzept weiter zu arbeiten. Der bisherige Entwurf des „NGT Cargo“ stammt übrigens vom Pforzheimer Jungdesigner Michael Wojtaszek.

Link
www.dlr.de

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