Lilium – Elektroflugzeug aus München

Das Start-Up Lilium Aviation entwickelt ein elektrisch angetriebenes Flugzeug mit VTOL-Fähigkeiten, Platz für zwei Personen und verteilten Antrieben.

36 Elektromotoren sollen „Lilium“ dereinst senkrecht in die Luft bringen. Das Fluggerät bietet dann Platz für zwei Personen | Abb. Lilium Aviation

„Lilium“ nennt sich das Projekt aus München, das mindestens bis zum Mock-Up-Stadium gediehen ist und allein schon mit seiner unorthodoxen Auslegung für Aufsehen sorgt. Das Flugzeug besteht im Grunde aus einer breiten Kabine für die nebeneinander platzierten Sitze, den weit hinten ansetzenden Tragflächen und kleinen Canard-Elementen. Ein Rumpf im eigentlichen Sinne oder gar ein Leitwerk am Ende sucht man bei „Lilium“ vergebens. In den Flächen wie in den drehbaren Canards befinden sich 36 kleine Elektroantriebe, die gemeinsam für den notwendigen Auftrieb bei Start und Landung sowie Vortrieb beim Horizontalflug sorgen. 320 kW an Gesamtleistung sind geplant, mindestens 250 km/h soll das vom Münchner Desigbüro Hyve gestaltete Flugzeug schnell sein und mindestens 300 km Reichweite haben. Mit nur 600 kg Startgewicht gehört „Lilium“ zu den Leichtgewichten in der Luft. Gedacht ist „Lilium“ als Alltags-Verkehrsmittel, für das Pendeln in urbane Räume oder an den Arbeitsplatz – daher auch die Auslegung als Senkrechtstarter.

Lilium Aviation wurde im Februar 2015 von vier Luftfahrt-Ingenieuren der TU München gegründet und hat offenbar bereits reichlich internationales Kapital eingesammelt. Über den möglichen Erstflug schweigt sich das junge Unternehmen noch aus, aber: „We want to be the first and the best in electric VTOL aviation“. Zu den speziellen Herausforderungen dürfte bis dahin die Flugstabilisierung des Gerätes sein, weil es auf keinen Fall eigenstabil sein dürfte, sondern auf permanente Rechnerdienste zurückgreifen muss. Das aber dürfte ohnehin notwendig sein, um das Fliegen einfacher und damit massenkompatibler zu machen als es heute ist.

Ganz besonders gespannt darf man auch auf das Interieur sein, das vermutlich ebensowenig aerotypischen Charakter haben dürfte wie das Äußere.

Verteilte Antriebe im Trend

Ganz neu ist die Idee, die hinter „Lilium“ steckt nicht. Elektrische Antriebe ermöglichen neue Antriebskonzepte und den Abschied von der traditionellen Motor-Anordnung. Musste bisher der Schub von einem oder zwei Triebwerken bezogen werden, so leisten dies nun viele kleinere Elektromotoren. Die Vorteile: Ausfallsicherheit, skalierbare Konzepte, einfachere Integration und geringere Kosten.

Dieses Prinzip verfolgt beispielsweise auch Joby Aviation mit seinem „S2“ genannten Senkrechtstarter. Der verfügt über insgesamt zwölf schwenkbare Elektromotoren, ähnelt aber vom Layout her viel mehr einem Flugzeug als „Lilium“. „S2“ soll 320 km weit reichen, über 300 km/h schnell sein und ebenfalls Platz für zwei Personen bieten. Während im VTOL-Modus alle Motoren arbeiten, sind im Horizontalflug nur die vier Antriebe am Leitwerk aktiv.

 

Und bei der DARPA, der Forschungseinrichtung des US-Militärs, ist man ebenfalls mit der Technologie zugange. Ein Konzept-Rendering zeigt ein Flugzeug, das – ähnlich „Lilium“ – sich dank schlanker Tragflächen mit integrierten Antrieben sowie aktiven Canard-Elementen an der Front in die Luft erhebt. Allerdings ist „Aurora“ unbemannt, die Energie kommt nicht aus Batterien, sondern wird von einer bordeigenen Turbine erzeugt, die satte drei Megawatt Leistung bietet. Das ist durchaus notwendig, denn „Aurora“ soll bis 740 km/h schnell sein und bis 5400 kg wiegen. 2018 sind erste Flugversuche geplant.

Bereits in der Luft war der „Volocopter VC200“, ein Projekt von e-Volo aus Karlsruhe, das nicht von einem Starrflügler ausgeht, sondern vom Helikopter-Prinzip. Allerdings ersetzen auch hier 18 in einem Ring über der Kabine angeordnete Elektromotoren den konventionellen Rotor. Weil so Drehmomente ausgeglichen werden, braucht es keinen Heckrotor. Unter dem Strich ist der „VC200“ sehr viel einfacher ausgelegt und damit einfacher zu fliegen – wer darin einen manntragenden Multikopter sieht, liegt nicht ganz falsch.

Links
www.lilium-aviation.com
www.hyvedesign.net
www.jobyaviation.com
www.volocopter.de
www.darpa.mil

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