Fahrraddesign in Winterthur

Allen Widrigkeiten zum Trotz, die im Alltag lauern, boomt das urbane Radeln. Das Gewerbemuseum Winterthur zeigt daher mit der Ausstellung „Bike | Design | City“ nicht nur aktuelles Fahrraddesign für die städtische Mobilität, sondern beleuchtet auch die Infrastruktur.

Komplexer als gedacht: Das Fahrrad und seine Teile. Zu sehen in der Ausstellung „Bike | Design | City“ | Foto. Scharf

Basel steht mit 16 Prozent Fahrradanteil am Modal Split an erster Stelle der eidgenössischen Städte, gefolgt von Winterthur mit 13 Prozent. Bern will den Fahrrad-Anteil am städtischen Verkehr von derzeit 11 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2030 steigern.

Überall in den westlichen Großstädten wird das Fahrrad wieder zu einem geschätzten Fortbewegungsmittel – kein Wunder, es ist schnell, unkompliziert, hält fit und ist obendrein noch hip. Und mit elektrischer Unterstützung verlieren sogar Lasten oder Berge ihre Schrecken. Folglich nimmt auch die Vielzahl an Fahrrad-Typen zu: Von Pedelecs über Cargoräder, Single-Speeds, Falträdern bis hin zum traditionellen Hollandrad reicht die Spannbreite dessen, was sich umweltfreundlich durch die Stadt bewegt.

Hier setzt die Ausstellung „Bike | Design | City“ im Gewerbemuseum Winterthur an, sie huldigt – abgesehen von neun Retrobikes – nicht der Vergangenheit, sondern den neuen, aktuellen Erscheinungen des Fahrrades. Natürlich darf auch ein „Itera“ dabei sein, jenes legendäre Vollkunststoff-Fahrrad das Volvo in den 1980er Jahren auf den Markt brachte und gnadenlos floppte. „Itera“ veranschaulicht die Bedeutung der Werkstoffe – CFK fehlt hier genauso wenig wie Bambus, Holz oder ein voluminöser Rahmen aus dem 3D-Drucker. Der Sportsektor des Rades taucht nur ganz am Rande auf, tatsächlich steht das Alltagsrad im Vordergrund. Ein Exkurs in die Technik zeigt, wie komplex das Fahrrad heute mit all seinen Komponenten sein kann – noch komplexer wird es, wenn Getriebe wie das Pinion ins Spiel kommen. Auch das ist natürlich ausgestellt, wie auch das Zweigang-Nabengetriebe Schlumpf.

Und natürlich waren die Ausstellungsmacher in Kopenhagen, der Stadt, die momentan als Nummer Eins in Sachen Radverkehr gilt. Denn ohne passende Infrastruktur lässt sich der Anteil des Rades im Stadtverkehr nicht erhöhen. Hier zeigt die Ausstellung anhand von Oslo aktuelle Planungen zur getrennten Führung des Radverkehres und dessen Vorrang. Man bedenke: Oslo beziffert seinen Radanteil auf momentan 20 Prozent, will aber ab 2019 eine autofreie Innenstadt haben. Ein Unternehmen, auf das gespannt geschaut wird. Und weil ein Fahrrad zwar noch kein Parkproblem verursacht, hunderte aber schon, gehört auch das Thema Abstelloptionen zur Verkehrsplanung. Das schweizerische Startup BikeLoft entwickelt dafür ein interessantes System zur automatischen Parkierung, zwomp-Förderer Meyer-Hayoz steuert das Design dazu bei.

Fazit: Eine Ausstellung, die Spaß macht und zeigt, welches Potenzial in diesem alten und doch so neuen Verkehrsmittel steckt. Als Ergänzung dazu bietet das Museum zahlreiche Rahmenveranstaltungen an, zum Beispiel am 2. März ein Podiumsgespräch mit Specialized-Produktmanager Marco Sonderegger und Hochparterre-Redakteurin Meret Ernst. Und auch auf das „Urban Bike Festival“ in Zürich vom 7. bis 9. April sei verwiesen.

Bike | Design | City
Gewerbemuseum Winterthur | bis 30.07.2017
www.gewerbemuseum.ch

 

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3 Comments

  1. Pingback: Ra(n)dnotizen #81 【ツ】 By Schrottie 【ツ】 Chronisch unterradelt…

  2. Pingback: Termin-Update für Industriedesigner - zwomp.de

  3. Das ist bestimmt eine interessante Ausstellung. Tatsächlich darf man beim Ziel „autofreie Innenstädte“ die Abstelloptionen von Fahrrädern nicht außer Acht lassen. Auf entsprechende Lösungen sind wir gespannt.

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