Beutellos saugen mit Miele

Miele hat seinen ersten beutellosen Staubsauger im Programm. Auch formal unterscheidet sich der „Blizzard CX1” von seinen Geschwistern – wir sprachen mit Andreas Enslin, warum das so ist.

Dynamische Formensprache für die beutellose Saugertechnologie: Im transparenten Staubbehälter sieht man, was man „geschafft” hat, so Designleiter Andreas Enslin | Foto: Miele

Seit Herbst ist er auf dem Markt, der „Blizzard CX1”, mit dem Miele nun auch einen Staubsauger im Programm hat, der ohne Beutel auskommt. Dabei nutzt Miele nicht die verbreitete Multizyklon-Technologie, sondern nur einen einzigen, großen Zyklon. Damit ist die vierstufige Leistungsregelung machbar, die Geräuschkulisse fällt ruhiger aus (76dBA). Integriert sind außerdem drei Filterebenen, die erste trennt Grob- von Feinstaub, die zweite arbeitet mit einem plissierten Gore-Filter und schließlich folgt der wartungsfreie Hepa-Filter, der kleinste Partikel und Allergene abscheidet. Der Gore-Feinstaubfilter verfügt über sensorgesteuerte Selbstreinigung, die Entleerung des zwei Liter fassenden Grobstaub-Behälters soll ohne Staubwolke machbar sein. Der 8,2 Kilogramm schwere Staubsauger mit seiner eigenständigen Formensprache ist für 20 Jahre Nutzung ausgelegt, bei einer wöchentlichen Saugzeit von 45 Minuten.

„Jede Änderung, etwa an der Geometrie des Abscheiders, hat ja sofort Auswirkungen auf den Platz, der zum Beispiel für eine Entleerungstaste zur Verfügung steht.“ | Andreas Enslin

Wir sprachen mit Designleiter Andreas Enslin über die Handling, die dynamische Form und raffinierten Spritzguss.

Die Entnahme des Staubbehälters ist das Ergebnis ausführlicher Handling-Studien, hier demonstriert von Andreas Enslin | Foto: Miele

Herr Enslin, das Design des Gerätes unterscheidet sich markant von der bisherigen Formensprache, die eher weich und rund war. Warum?

Für diesen neuen Typ von Staubsauger haben wir bewusst auch eine neue Ausdrucksform geschaffen – ohne jedoch die markanten Merkmale der Marke einfach über Bord zu werfen. So finden sich zum Beispiel die metallischen Bedienelemente sowie die starke horizontale Unterteilung in eine farbige Oberschale und eine dunkle Bodenwanne als identitätsstiftende Formelemente wieder. Gleiches gilt für unseren ergonomischen Handgriff. Auf der anderen Seite wollen die Kunden, die einen Bagless-Sauger kaufen, auch direkt sehen, was geschafft ist. Der Staubauffangbehälter ist deshalb sichtbar und entsprechend inszeniert.

Werden dabei auch neue Werkstoffe eingesetzt?

Nein, wir setzen auf die bewährten Miele-Werkstoffe, die wir getestet und lange optimiert haben. Eine Besonderheit gibt es dennoch, die aber wahrscheinlich kaum einem Endkunden auffallen wird: Die Abdeckplatte an der Bedienung ist in einem Mehrkomponenten-Spritzgussverfahren hergestellt. Dies ermöglicht uns erstmalig, die Silbermetallic-Dekoration darunter nahezu ohne die bekannten dunklen Fließlinien herzustellen. Das ist sicher ein kleines Highlight – wenn man etwas von Kunststoffspritzguss versteht.

Die Leerung des Staubbehälters ist ja ein wesentliches Merkmal des Gerätes – haben Sie die Funktionalität davor mit Handlings Tests real verifiziert?

Die komfortable und hygienische Leerung zu ermöglichen, ist eine der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben bei der Entwicklung eines Bagless-Saugers. Das kann man nicht hineintesten – unsere Handling-Tests am Ende sind aber wichtig zur Bestätigung und Absicherung. Eine so zentrale Funktion muss von Anfang an konzeptionell erarbeitet und dann mit Hilfe von vielen Prototypen immer weiter verbessert werden. Und das gelingt nur im Kontext mit dem gesamten Gerät, denn jede Änderung, etwa an der Geometrie des Abscheiders, hat ja sofort Auswirkungen auf den Platz, der zum Beispiel für eine Entleerungstaste zur Verfügung steht. Es ist also eine sehr komplexe Design-und Konstruktionsaufgabe, die Lösungen beginnen im Alias Wavefront und gehen dann über 3D-Laser-Sinterteile hin zum Straken im ICEM-Surf bzw. ins CATIA. Unser Ablauf im Design ist schon sehr ähnlich zu dem im Automobilbau – wir nutzen dieselben Werkzeuge im Design und der Entwicklung.

Klingt der neue Sauger anders als seine beutelnutzenden Geschwister? Wird einem leisen Gerät Leistung zugetraut?

Wegen des Wirkprinzips der Luftzirkulation sind Bagless-Geräte lauter als Geräte mit Staubbeutel. Auch hier kommt schon sehr früh das Design ins Spiel – die Lautstärke selbst sagt ja zunächst wenig über die Wirkung auf den Menschen – denken Sie an ein Konzert mit Ihren Lieblingsliedern oder das leise Sirren einer Stechmücke, die ein Opfer sucht. Es geht vor allem um die psychoakustische Qualität, die ein Gerät vermittelt. Welche Erwartungen habe ich an das Betriebsgeräusch? Wie hört sich ein kraftvolles Sauggeräusch überhaupt an? Dazu haben wir umfangreiche Untersuchungen – und wir wissen, an welchen Stellen wir optimieren müssen um für den Betrieb zu einem angenehmen und hochwertigen Gesamteindruck zu kommen. Gute Qualität hört sich eben auch gut an.

Welche Zielgruppe haben Sie mit dem Sauger im Blick?

Das Bagless-Segment wächst seit langem, und dies, je nach Land, aus ganz unterschiedlichen Gründen. So ist bereits jeder zweite in Europa verkaufte Bodenstaubsauger ein Gerät ohne Beutel. Allerdings war die bislang auf dem Markt erhältliche Bagless-Technik nach unseren Maßstäben deutlich unzureichend, vor allem mit Blick auf Saugleistung und Hygiene bei der Entleerung. Mit dem Blizzard, den wir weltweit vermarkten werden, haben wir diese Nachteile überwunden, der Start in Deutschland verläuft bereits sehr erfolgreich. Die Bagless-Fans schätzen die direkt sichtbare „Ausbeute“, und auch die Option, jederzeit leeren zu können. Natürlich ist auch der Aspekt der ersparten Folgekosten von Bedeutung. In manchen Ländern wie etwa in den USA spielen Staubsauger mit Beutel kaum eine Rolle. Und dann gibt es noch diejenigen potenziellen Kunden, die nur wegen der oben beschriebenen Nachteile bislang am Staubbeutel festgehalten haben. Die Zielgruppe für unseren Blizzard ist also nicht gerade klein.

Link
www.miele.de

 

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