Haptik in Zürich – Berühren erwünscht

Normalerweise sollte man von musealen Exponaten tunlichst die Finger lassen – im Zürcher Museum für Gestaltung hingegen fordert die Ausstellung „Bitte berühren” extra auf, die Dinge auch in Sachen Haptik zu erkunden.

Obwohl die Haptik eine ganz wichtige sinnliche Produktqualität darstellt, wird sie meist nur randständig behandelt. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass der Tastsinn neben dem Geruchssinn ausgesprochen komplex funktioniert und schwer in allgemein verbindliche Wirkschubladen passen will.
Welch vielfältige Aspekte die Haptik umfasst, will das Zürcher Museum für Gestaltung nun in der Schaudepot-Ausstellung „Bitte berühren!” zeigen. Der Titel ist durchaus ernst zu nehmen, denn die Museumsmacher animieren ausdrücklich, vom sonst musealen „Berühren verboten” Abstand zu nehmen. Alles andere hätte die Schau schlichtweg absurd werden lassen.
Mit ihrem Aufforderungscharakter kommt die Ausstellung zur rechten Zeit: denn die Haptik, so die Zürcher Macher, verarme angesichts des Durchmarsches von Touch- oder gar Gesten-Interfaces zusehends. Und tatsächlich gelten berührungslose Bedienungskonzepte als Zukunftstechnologien.
Zahlreiche Exponate zeigen nun aber, wie aufregend, emotional und auch sexuell hinterlegt das Berühren von Gegenständen ist. Den Anfang macht das „Griffhaus”, eine Installation unterschiedlichster Türdrücker und -griffe. Weiter geht die Haptik-Reise entlang der taktilen Erkennung von Schrift und Zeichen über medizinische Tastmodelle, Kuscheltiere bis hin zu den aktuellen, unspezifisch glatten Multitouch-Oberflächen. Und schließlich ist da noch die nutzbare Boulderwand, die ohne die haptische Fähigkeit gar nicht nutzbar wäre.
Übrigens: So ganz kann sich das Museum leider nicht von den berüchtigten Schildern lösen, denn die Exponate aus der eigenen Sammlung befinden sich hinter Plexiglas.
Wie immer bietet das Museum parallel zur Ausstellung thematisch passende Veranstaltungen, am 9. Dezember beispielsweise wird Christian Harbeke von Nose über Haptik und Multisensorik im Zugdesign sprechen.

Bitte berühren!
Museum für Gestaltung, Zürich | bis 20. März 2016
www.museum-gestaltung.ch

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