Superyachten – supersauber?
Hybride und photovoltaische Yachtprojekte setzen Trends

Formula Zero nennt sich dieser eigenwillige Yachtentwurf von Richard Sauter. Dank Segel und Photovoltaik soll der Karbon-Fußabdruck gegen Null gehen | Abb: Sauter
Geld spielt in der Branche der Superyachten bekanntlich keine nennenswerte Rolle – leider auch nicht die Frage der Energieeffizienz dieser Extrem-Luxusgefährte, auf denen wenige Menschen mit enormem Aufwand logieren oder unterwegs sind.
Allmählich scheint aber auch bei den Eignern dieser Superyachten sich der grüne Gedanke durchzusetzen, wie die jüngsten Online-Meldungen von SuperYachtTimes nahe legen. Zumindest, wenn man diverse Entwürfe von Yachtdesignern betrachtet, die versuchen, neue Antriebssysteme zu nutzen und das Leben an Bord klimaneutraler als bisher zu gestalten.
Segel plus Photovoltaik
Wohl am konsequentesten geht Richard Sauter vor. Er stellte beispielsweise mit „Formula Zero“ einen Katamaranentwurf vor, der die Emissionen klimaschädlicher Gase um 75 bis 100 Prozent reduzieren soll. Die Hauptrolle dabei spielt das Antriebskonzept: Sauter kombiniert dieselelektrische Azimuth-Propeller mit senkrechten drehbaren, flügelförmigen Segeln und 400 Quadratmetern Photovoltaik-Flächen. Ein intelligentes Energiemanagement, effiziente Techniken für Kühlung und Wärmerückgewinnung sowie eine Energiepufferung per Lithium-Ionen-Akkus soll „Formular Zero“ Maßstäbe setzen lassen. Die Akkus dienen für die völlig emissionsfreie Fahrt, etwa in Hafenanlagen oder ökologisch sensiblen Zonen. Der 43 Meter lange Katamaran verfügt zudem über eine strömungstechnisch optimierte Rumpfform.

Transcendence: Schnittiger Bug und Linienführung, reduzierte Klimagas-Emissionen | Abb: Sauter
Aktueller und ohne Segel kommt Sauters Entwurf „Transcendence“ aus. Es soll sogar die erste Superyacht mit Null-Emission sein – und das bei Höchstgeschwindigkeiten von 25 Knoten. Die 49 Meter lange Yacht mit einem eindrucksvollen negativen Bug nutzt Azimuth-Propeller und Dieselgeneratoren von Mercedes Benz und MTU mit Bluetec-Katalysatoren. Photovoltaik-Flächen vollen 30 kW Leistung bringen, das Lithium-Ionen-Akkusystem ist auf 1000 kWh ausgelegt. Letzteres ist besonders interessant, wenn das Schiff vor Anker liegt und im so genannten Hotel-Betrieb keine Generatoren zur Energieerzeugung benötigt.
Rein rechnerisch soll „Transcendence“ gegenüber konventionellen Schiffen jährlich etwa 4000 Tonnen weniger CO2 emittieren, im globalen Durchschnitt entspricht dies den Jahresemissionen von 1000 Menschen. Soviel zur Größenordnung des Karbon-Footprints von Superyachten.
Sauter geht sogar mit seinen Entwürfen noch eine Dimension weiter. „Black Magic“ ist ein Tanker, der mit einem hybriden Antriebssystem mit 12 Knoten die Meere befährt. Als Trimaran mit Wave-Piercer Rumpfform gedacht, wird der 4000 Tonnen verdrängende und 125 Meter lange Tanker zum einen von Bluetec-Diesel mit 1200 kW und Azimuth-Antrieben in Fahrt gebracht. Wie bei „Formula Zero“ bringen senkrechte Segelflügel weitere 300 bis 900 kW für Vortrieb, 2000 Quadratmeter Solarzellen füttern auch hier ein Lithium-Ionen-Akkusystem.
Vollhybride Yacht

Die GH180 H soll mit einem hybriden, dieselelektrischen Antriebssystem unterwegs sein | Abb: Ghost Yachts
Ghost Yachts aus den Niederlanden hat kürzlich mit der „G180 H“ eine 55 Meter lange Superyacht vorgestellt, die nicht nur durch ihre kantige Gestaltung von Gloss Design aus Pescara aufblicken lässt, sondern auch durch ihren Antrieb. Der Rumpf mit seinem steilen Bug und der langen Wasserlinie soll ermöglichen, dass die Yacht mit vergleichsweise wenig Antriebsleistung auskommt. Vollhybrid ausgelegt liefern vier Volvo-Dieselgeneratoren den Strom für die jeweils 740 kW starken Elektromotoren der drehbaren und hoch effizienten Voith Inline Propulsers, die zugleich Ruder ersetzen. Die Yacht lässt sich in sieben verschiedenen Modi fahren – vom reinen Batterie– bis zum vollen Hybridbetrieb.
Neben der Antriebskonzeption soll die ganze Schiffstechnik energieeffizienter werden. Die Fensterbänder werden keramisch beschichtet, um 80 Prozent der solaren Wärmestrahlung aus den Innenräumen zu halten und so die Klimatisierung zu entlasten.
Die durchschnittliche Treibstoff-Einsparung soll bei 30 Prozent liegen, im reinen Hotelbetrieb sogar bei 50 Prozent. Die „G180 H“ ist für eine Reisegeschwindigkeit von 15,5 Knoten ausgelegt und verdrängt 755 Tonnen.
Neben der Hybridversion arbeitet Ghost Yachts auch an zwei anderen Versionen dieser Yacht: An der „G180 L“ und der „G180 V“. Letztere soll normal 32 bis 36 Knoten laufen, mit einem Booster sogar 50 Knoten. Über Emissionen ist hier nichts bekannt.
Luxus auf Wasserlinie

Das Hauptdeck von Ra ist als multifunktionaler Raum konzipiert und lässt sich quasi bis zur Wasserlinie öffen | Abb: Voorhees
Ganze 66 Meter lang ist der Entwurf „Ra“ des jungen kalifornischen Designers Adam Voorhess. „Ra“ ist eher Architektur als Schiff und soll besonders durch seine Raumflexibilität überzeugen. Das Hauptdeck ist multifunktional ausgelegt und lässt sich bei Bedarf (und ausbleibendem Seegang) fast bis zur Wasserlinie öffnen. Die Räume der Gäste und Eigner befinden sich hingegen in den Oberdecks im Aufbau.
Voorhees sieht einen dieselelektrischen Antrieb mit Azimuths vor sowie Wärmerückgewinnung und 140 Quadratmeter Solarzellen für mehr Energieeffizienz. „Ra“ soll 720 Tonnen verdrängen und maximal 22 Knoten schnell sein.
Links
www.superyachttimes.com
www.sautercarbonoffsetdesign.com
www.ghost-yachts.com
www.glossdesign.it
www.adamvoorhees.com



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