Mia Seeger Preis 2010
Zwei Preise und vier Anerkennungen, die sich sehen lassen können
Alljährlich lobt die gemeinnützige Mia Seeger Stiftung den gleichnamigen Preis zur Förderung des Nachwuchses der gestalterischen Disziplinen Industriedesign/Produktdesign, Innenarchitektur/Möbeldesign, Architektur, Investitionsgüter– und Transportation Design. Bei der aktuellen Ausgabe waren teilnahmeberechtigt Abgängerinnen und Abgänger deutscher Hochschulen aus den Jahren 2008 oder später.
In diesem Jahr verzeichnete die Stiftung 58 Exponate, darunter Studien– und Diplomarbeiten mit 3D-Modellen und grafischen Darstellungen. Die fünfköpfige Jury entschied sich einstimmig für zwei gleichrangige Preise mit jeweils 4000 Euro Preisgeld und vier Anerkennungen. In die Bewertungen fließen gemäß Auslobung neben den allgemeinen Gestaltungskriterien der soziale Nutzen sowie die Nachhaltigkeit der Produkte entscheidend mit ein.
Wie operiert man Übergewichtige?
Sonja Kind von der Uni Duisburg-Essen reichte „Pivomed“ ein – eine OP-Umlagerungshilfe für schwergewichtige Patienten. Bisher müssen Patienten mit zweifelhaften Hilfsmittel in der Narkose manuell umgelagert werden, was nicht nur bei adipösen Patienten problematisch wird. „Pivomed“ nun ändert das Vorgehen, der Patient wird mit einem deckengeführten Hebewerk in den OP gebracht und dort in Position gebracht – oder gedreht. Eingebettet in eine Vakuummatratze auf biegesteifer Liege, fixiert mit breiten Gurten, lässt sich der Patient so auch einfach in Bauchlage bringen. „Pivomed“ erhielt einen der beiden Preise, die Betreuer an der Uni waren Prof. Kurt Mehnert und Marion Digel.
Ölteppiche ade
Boris Innecken, Absolvent der Hochschule Darmstadt entwarf eine Boje, die zusammen mit anderen flächendeckende radiale Netze aufbaut, um Ölteppiche auf See einzudämmen. Auch Innecken wurde ein Preis zuteil, die Jury lobte insbesondere das bionische Prinzip und die schnelle Einsatzmöglichkeit.
Nebel zu Trinkwasser
In trockenen, aber küstennahen Gegenden kann man Trinkwasser aus Nebel gewinnen – die entsprechende Vorrichtung vorausgesetzt. Eine solche hat nun Imke Höhler entwickelt, eine leicht zu transportierende Konstruktion mit UV-beständigem Polypropylen-Netz, Auffangrinnen, Filter und Kanister. „Drop Net“ nennt sich das an der Kieler Muthesius Kunsthochschule entworfene Gerät. Es arbeitet autonom, nur auf Basis von Adhäsion, Hydraulik und Schwerkraft. Das „Drop Net“ setzt das statische Konzept der kanadischen Organisation FogQuest mobil und leicht um.
Mobil sauberes Trinkwasser
Auch „Sipurion“ von Henning Strobel (Hochschule Darmstadt) erhielt eine Anerkennung. Das Gerät ist für Situationen gedacht, in denen Trinkwasser nur aus verunreinigten Quelle zur Verfügung steht. Es setzt sich zusammen aus Pumpmodul, Membran– und Aktivkohlefilter in einem Zylinder. Die dreigeteilte Umhüllung ist mit Griffleisten armiert; beim Transport dient sie als schützende Verpackung, im Betrieb wird sie zum standfesten Stativ. Die Anlage ist so konzipiert, dass sie von jedermann zu bedienen ist, leicht verständlich, robust und wartungsfreundlich.
Defibrillator für den öffentlichen Raum
Ebenfalls an der Kieler Muthesius Kunsthochschule entwickelte Piotr Szpryngwald den „30÷2 Assist“, gedacht als akute, laientaugliche Hilfe bei Herzstillstand. Sobald der Helfer das Gerät aus der Wandhalterung nimmt, ist er mit der beratenden Leitstelle verbunden. Danach dann zeigt das Display alle notwendigen Schritte vom Anlegen der Elektroden über die Schockauslösung bis zur Herzmassage. „30÷2 Assist“ senkt die Hilfs-Hemmschwelle, weil die Technik unmittelbar nachvollziehbar und die Anleitung unmissverständlich ist. Unterstützend wirke, so die Jury, dass äußerste Ruhe, strikte Beschränkung auf das Notwendige und unbedingte Klarheit Form und Funktionen des Defibrillators bestimmen.
Notrufsystem für Kinder
„Rufii“ von Zhenwei You (Bergische Universität Wuppertal) soll Kindern mehr Sicherheit bieten: In der Not reicht ein Tastendruck, und Mutter oder Vater melden sich auf dem kleinen Bildschirm. Über GPS wissen sie, wo ihr Kind ist. Auf ihrem Handy sehen sie, was los ist, können mit dem Kind sprechen und sich um Hilfe kümmern. Wenn die Eltern nicht erreichbar sind, geht der Ruf direkt zum Rettungsdienst, der dabei gleich die persönlichen und medizinischen Grunddaten des Kindes übermittelt erhält. Das System, das Hand– und Aufladegerät sowie CD-Rom zur Programmierung des elterlichen Handys umfasst, soll Kindern zwischen 4 bis 10 Jahren zugute kommen.
Links
www.mia-seeger.de
sonjakind(at)web.de
forg(at)gmx.net
imke(at)muthsius.de
henning.strobel(at)gmx.net
piotr.s(at)gmx.de
ivoyou(at)gmail.com



Zahn-Polymerisierer
Plagiarius 2011 für Werkbank










Toll, dass es so einen Preis gibt! Engagement ist wichtig und solche Erfindungen tragen dazu bei, dass unsere Erde noch lange so bleibt wie sie ist. Am beeindruckensten finde ich die Konstruktion „Trinkwasser aus Nebel” und „Mobil sauberes Trinkwasser”