Make Up in Zürich
Oberflächen und Design – eine Ausstellung in Zürich

Make Up – die Ausstellung zur Rolle der Oberfläche für das Design im Zürcher Museum für Gestaltung | Foto: Regula Bearth, ZHdK
Das Thema scheint in der Luft zu liegen. Nahezu zeitgleich mit dem Schwerpunkt des DesignReports in Ausgabe 04/10 widmet sich nun das Zürcher Museum für Gestaltung in einer Ausstellung der Oberfläche. Über 200 Exponate aus der Designsammlung des Museums hat Kuratorin Renate Menzi zusammengetragen.
Oberflächen sind wichtig geworden
Je reduzierter die Formen im Design, desto wichtiger wird die Oberfläche zur Charakterisierung des Produktes. Ja, die Oberfläche mit ihrer Haptik, ihrem Glanz oder Farbigkeit bildet die Basis für die intuitive Wahrnehmung eines Produktes. Entsprechend ist die Ausstellung selbst aufgebaut, sie versucht den unvoreingenommenen Blick auf die Oberfläche zu fördern, ordnet alles in Bereiche wie „Haptik“, „Funktion“ oder „Lichtregie“. Letzteres bezieht sich auf die Differenzierung von Spiegelglanz bis Mattheit. „Spur“ wiederum beschäftigt sich mit der Alterung, der natürlichen oder künstlichen Patina. Zu sehen ist hier etwa das legendäre „Elefantenohr“ von Willy Guhl, jener Pflanzenbehälter aus Asbestzement (!) von 1951. Hier gehören Erd– und Moosreste auf der Oberfläche zur Geschichte des Produktes dazu.
Schlüsselerlebnis Panton Chair

Links der „Panton Chair“ in seiner frühen glänzenden Version, produziert aus glasfaserverstärktem Polyester. Rechts die Spritzguss-Neuauflage aus Polypropylen mit einer matten Oberfläche | Foto: ZHdK
Welch teilweise extremen Einfluss die Oberfläche auf die Produktwahrnehmung haben, wird am Beispiel des legendären „Panton Chairs“ gezeigt. Da steht das Original aus dem Jahre 1960 aus glänzendem, faserverstärktem Polyester der Neuauflage von 1999 gegenüber. Und die wird eben nicht mehr aus einem Compound produziert, sondern aus Polypropylen. Abgesehen davon, dass der Spritzguss dieses großen Objektes eine technologische Herausforderung darstellt, ist seine Oberfläche leicht strukturiert und damit matt. So jedoch hat man es letztlich mit zwei unterschiedlichen Produkten zu tun.
Alltagsbezug inklusive
Renate Menzi hat sich ein Jahr lang mit der Auswahl der Exponate beschäftigt und dabei versucht, den Bezug zum Alltag nicht aus dem Auge zu verlieren. Schließlich ist die Ausstellung nicht nur für das Fachpublikum gedacht. „Wir haben viele alte Objekte dabei, wenn die zu konzentriert stehen, wäre es zu museal geworden“, sagt Renate Menzi. „Also haben wir ganz bewusst in allen Gruppen auch ganz aktuelle Produkte reingenommen.“ Zum Beispiel einen USB-Stick aus massivem Silber oder Oskar Zietas Aufblashocker „Plopp“.
Funktionalisierte Oberflächen

Das Ausstellungskonzept spielt selbst mit der Oberfläche und positioniert die Exponate auf gelochten Faserplatten – mal auf der weißen, mal auf der rohen, braunen Seite | Foto: Regula Bearth, ZHdK
Das Kapitel „Funktion“ greift die aktuell immer vielfältigere Welt der smarten Oberflächen auf, die etwa antibakteriell oder schmutzabweisend ausgerüstet sind. „Hier haben wir allerdings noch nicht viel Exponate in der Sammlung“, sagte Renate Menzi. „Der Nano-Bereich teilt sich bisher leider nicht über das Design mit. Eigentlich ist es an der Zeit, sich damit auseinanderzusetzen, wie diese neuen Funktionen durch das Design ausgedrückt werden können.“
Gespräche und spezielle Angebote
Wie fast jede Ausstellung in Zürich wird auch „Make Up“ von verschiedenen Gesprächen begleitet. Beispielsweise am 8. Dezember mit Robert Haussmann oder am 27. Oktober mit Richard Adler vom Berliner Kommunikationsmuseum. Und für Familien und Schulen werden sogar Workshops angeboten – einfach anfragen.
Schließlich wäre da noch der schlanke, aber höchst informative Katalog zu nennen, der sämtliche Exponate zeigt – mit neu angefertigten Fotos übrigens. Erschienen ist die Publikation in der avedition und kostet 24,90 Euro.
Make Up – Design der Oberfläche
Museum für Gestaltung Zürich
Bis 2. Januar 2011



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