„Wir werden weiter wachsen.”
Gelsenkirchen, Shanghai – Markus Wild denkt in internationalen Maßstäben
Vor genau 20 Jahren gründet Markus Wild in Herten sein Designbüro, seit 1996 spezialisiert er sich auf Medical Design, 2005 gründet er die Wilddesign GmbH. Ein Jahr später kommt Wilddesign Hongkong Ltd. dazu, im Mai 2006 dann das Büro in Shanghai. Damit ist Wild als erstes deutsches Industriedesignbüro dort präsent. Momentan beschäftigt das Unternehmen insgesamt 29 fest angestellte Mitarbeiter.
Herr Wild, was bringt Sie dazu, von Gelsenkirchen aus nach China zu expandieren?
Es ist der globale Wettbewerb, dem wir uns auch als Gestalter immer stärker stellen müssen. Durch unsere Präsenz in China werden wir selbst zum internationalen Unternehmen. Außerdem ist Design mit deutschem Hintergrund dort ausgesprochen beliebt. Auf der anderen Seite befinden wir uns plötzlich in Konkurrenz zu großen US-Designbüros mit ausgesprochen strategischen Kompetenzen.
Werden Sie also weitere Büros im Ausland eröffnen?
Warten Sie es ab. Da die europäischen Märkte eher degressiv sind, müssen wir uns eindeutig nach außen orientieren. Abgesehen davon bringt uns die China-Präsenz weit mehr: schon jetzt wird unsere Sichtweise auch hier stark von den dortigen Verhältnissen beeinflusst.
Wie sind Sie denn in Shanghai aufgestellt?
Wir haben dort ein multikulturelles Team aus 17 Mitarbeitern, von denen immer wieder einzelne hierher nach Gelsenkirchen kommen. Das ist auch für das 12er-Team hier wichtig. In den Leitungsfunktionen sind Europäer, die Geschäfte führt ein deutscher Designmanager mit viel Japan– und China-Erfahrung. Dieser Hintergrund ist wichtig, wenn Sie dort bestehen und sich auf die lokalen Bedürnisse einstellen wollen.
Wie wird Wilddesign in zehn Jahren aussehen?
Ich sagte ja schon, dass wir uns internationalisieren, aber wir werden nicht zu einer Designfabrik expandieren, sondern organisch wachsen. Das gilt auch für die Einbindung neuer Aufgaben und Themen unter dem Stichwort „open innovation“. Und natürlich wird sich unser Team auch verändern. Wer heute Projektmanager ist, kann durchaus der Büroleiter von morgen sein.
Das sind ausgesprochen unternehmerisch orientierte Ziele.
Ja, natürlich. Wissen Sie, ich habe mich nie als hundertprozentigen Designer gesehen, das einzelne Ergebnis ist mir zwar wichtig, steht aber nicht über allen anderen Überlegungen. Mich interessierten schon immer die übergeordneten, unternehmerischen Aspekte. Und deshalb versuche ich mich aus der operativen Arbeit herauszunehmen und eher strategische Aufgaben anzugehen.
Und wie wird sich die Designarbeit generell ändern?
Der Markt wandelt sich, wir machen ständig neue Versuche, uns dem anzupassen. Heute stehen die Kosten eines Produktes extrem im Vordergrund, da wird auch die Designleistung unter diesem Aspekt beurteilt. War früher Design meist Chefsache, ging es in der Folge auf die Produktmanager über, jetzt ist es Sache des Einkaufes. Der kann aber nur Zahlen beurteilen. So gibt es kaum noch Raum, mit eher visionären Perspektiven zu einem neuen Design zu kommen. Der Kunde will sofort und sichere Ergebnisse. Auf der anderen Seite müssen wir flexibel sein und ausprobieren können, um unsere Kreativität zu erhalten. Ein Dilemma in gewisser Weise, von dem wir uns aber freimachen müssen.
Letzte Frage: Was sagen Sie zu den Designmedien hier zu Lande?
Für mich sind persönliche Geschichten wichtig, sie inspirieren mich, neue Dinge anzugehen. Was fehlt, ist eine Art „brandeins“ für die Designbranche – ein Magazin, das Technologie– und Zukunftsforschung sowie gesellschaftliche Trends unter Designaspekten beleuchtet, Themen dynamisch auf den Punkt bringt. Darunter durchaus auch skurrile Aspekte.
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