Pflasterstein mit Photokatalyse
Weniger Stickoxide dank aktiver Pflastersteine – demnächst in Fulda

Im Labor erreichen die photokatalytisch aufgerüsteten Pflastersteine beste Werte – in Fulda sollen sie nun verbaut werden | Foto: Fraunhofer IME
In Italien hat man mit Straßenbelägen, die photokatalytisch Stickoxide und andere Schadstoffe in der Luft abbauen, bereits positive Erfahrungen gesammelt. Jetzt ging es darum, ob derlei Wirkungsweisen auch hier zu Lande, wo geringere Sonneneinstrahlungen die Regel sind.
UV-Licht aktiviert die Luftreinigung
Photokatalyse, die die eigentliche Abbaureaktion von Stickoxiden zu Nitraten anschiebt, benötigt energiereiches UV-Licht, um zu starten. Je höher der UV-Anteil im Licht, desto leichter und effektiver läuft der Schadstoff-Abbau.
Am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (IME) hat man daher die „AirClean“ genannten Pflastersteine des Herstellers F.C. Nüdling Betonelemente eingehend im Labor untersucht. Dabei kam man zu interessanten Ergebnissen.
Optimierte Katalysatoren für „AirClean“
Der Katalysator in Form von nanoskaligem Titandioxid befindet sich fest in die Zementmatrix der Steine eingebunden und ist nur an deren Oberfläche, also an der Grenzfläche Luft/Stein/Licht aktiv. Um die Reaktionseffizienz zu verifizieren, fertigte der Hersteller zunächst Muster mit unterschiedlichen Strukturen, Farben, Zementtypen und Titandioxid-Gehalt. Schnell wurde per Labortests klar, dass mit handelsüblichen Katalysatoren kein ausreichender Reinigungseffekt erzielbar ist. Also mussten eigene, bessere Rezepturen entwickelt werden.
Stickoxide werden Nitrat
Tatsächlich ließen sich nach der Optimierung signifikante Umwandlungen von Stickmonoxid und Stickstoffdioxid in lebensnahen drei Metern über der Steinoberfläche feststellen. Besonders bei Windstille ließen sich ausgesprochen hohe Werte ermitteln. Diese Ergebnisse ließen sich durch weitere Messungen am Gothaer Platz in Erfurt belegen. Damit stehen die Chancen gut, dass Fulda nun tatsächlich den Bereich rund um die Petersberger Straße diese besondere Form des Belages wählen wird.
Wichtig ist auch, dass die IME-Messexperten eine maximale Nitratkonzentration im Abwasser von 5 mg/l gemessen haben – der Nitrat-Grenzwert für Grundwasser beträgt hingegen 50 mg/l.
Langzeitstabil?
Allerdings darf zwei andere Fragen noch nicht befriedigend geklärt sein: Zum einen die Effizienz bei geringen UV-Einstrahlungen und die Langzeitstabilität. Zwar konnte man am IME nach 14 bis 23 Monaten noch „keine Veränderung der anfänglichen Abbaukapazität feststellen“, doch greift dieser Betrachtungszeitraum zu kurz. Denn gerade Straßenbeläge gelten als ausgesprochen langlebig, hier interessieren die Werte nach zehn Jahren weit mehr. Und: Was passiert bei allfälliger Verschmutzung der Wege mit Reifenabrieb, mineralischen Ablagerungen oder ölhaltigen Reagenzien?
Link
www.ime.fraunhofer.de
www.nuedling.de
Verwandte Artikel





Kettentransporter für Rollis
LEDs für helle Straßen








