„Digital ist langweilig“
Fred Held sammelt Walkmans – warum eigentlich? Wir haben ihn gefragt.

Fred Held ist einer der führenden Designer, wenn es um Medizintechnik geht. Ansonsten sammelt er Walkmans | Foto: Scharf
Eigentlich ist Industriedesigner Fred Held mit seinem Hamburger Team in der Branche als Spezialist für Medizintechnikprodukte bekannt (siehe DesignReport 06/09). Dass er nebenbei Walkmans und andere mobile Audiomaschinen sammelt, dürfte hingegen wohl unbekannt sein. Das ändert sich jetzt: Fred Held zeigt seine Sammlung – exklusiv auf zwomp.
Herr Held, wieso sammeln Sie eigentlich gerade Walkmans?
Ach, in jungen Jahren, so mit 16, habe ich mir die Nase an den Schaufenstern platt gedrückt, aber einen der begehrten Walkmans konnte ich mir nicht leisten.
Das ging mir genauso. Und dennoch habe ich heute kein Regal voller Walkmans.
Aber im Gegensatz zu Ihnen habe ich vor einigen Jahren in Japan den Designer kennengelernt, der für Sony die ersten und viele weitere Walkmans gestaltet hat, quasi vor und nach Frogdesign, die das Urdesign mit den schrägen Tasten entwickelten. Jedenfalls haben wir viel über die ausgefeilte Feinwerktechnik und das Design gesprochen, das war faszinierend. Vermutlich war es auch der wesentliche Auslöser für die Sammelleidenschaft.
Welche Maschine war denn Ihre erste?
1987, zum Ende des Zivildienstes habe ich einen ausrangierten Sony TCD5 geschenkt bekommen, das erste mobile professionelles Aufnahmegerät für Compactcassetten. Repariert, geliebt und gehegt über viele Jahre war er eigentlich die Basis, das richtige Sammeln aber habe ich erst um 2004 begonnen.
Nochmals: Warum Walkmans?
Weil die Geräte gestalterisch und technisch enorm spannend sind, schließlich haben die Maschinchen einen extremen mechanischen Miniaturisierungsgrad erreicht.
Wie umfangreich ist Ihr Fundus inzwischen?
Im Grunde sammle ich alle tragbaren Geräte von Sony, ausgenommen reine Radios. Also neben Walkmans auch Discmans, DAT-Recorder, CD-Geräte und sogar Watchmans sind dabei. So um die 150 Sony-Exemplare dürften das sein. Dazu kommen rund 200 weitere, überwiegend mobile und unter Designaspekten spannende Audiogeräte, darunter auch etwa 25 stationäre Tape-Decks.
Und die lagern Sie sicher in einem heiligen Schrein?
Nein, in Regalen in meinem heimischen Arbeitszimmer. Und natürlich ordentlich verpackt in Kisten.
Sind Sie denn etwa ein manischer Sammler?
Nein, keineswegs. Ich muss nicht alles haben, schließlich gibt es ja auch noch andere Dinge im Leben. Letztlich ist es ein Hobby neben anderen.
Benutzen Sie die Maschinchen auch?
Ab und zu. Immerhin funktionieren 80 Prozent einwandfrei.
Derweil wird die Welt immer digitaler – Ihre Sammlung auch?
Nein, die rein digital arbeitenden Audiogeräte, also die MP3-Player sind mir zu langweilig, die sammle ich nicht. Mich fasziniert zum Beispiel der Sony NT2, das kleinste digitale Aufnahmesystem mit einer Cassette im Briefmarkenformat.
Singen Sie eigentlich mit dem Walkman am Ohr?
Nein, eigentlich nie. Auch nicht unter der Dusche oder im Auto, wenn Sie das nun hätten fragen wollen.
Trotzdem noch eine letzte Frage. Könnten Sie sich vorstellen, etwas anderes zu sammeln?
Im Moment eigentlich nicht.
Link
www.heldundteam.de
Fotos
Fred Held, Armin Scharf
Diesen Artikel drucken, weiterempfehlen, bookmarken



Optimierte U-Bahn für München
Designpreis Rheinland-Pfalz









