Aufräumaktion
Redesign eines Schnelleinsatzkranes für Liebherr
Auf kleineren und mittleren Baustellen gehören sie zum gewohnten Bild: so genannte Schnelleinsatzkrane, die sich zusammenfalten lassen und auf zwei Achsen gestellt, rasch von einem Einsatzort zum nächsten ziehen. In diese Klasse gehört auch der „Liebherr 81K“, eine seit Jahren eingeführte und rein funktional aufgebaute Hebemaschine.
Das sollte sich ändern, weshalb Hersteller Liebherr drei Designbüros im Oktober 2008 zu einem (bezahlten) Pitch lud. Darunter auch das Stuttgarter Büro ipdd, das jüngst mit seinem E-Bike „Elmoto“ für Aufsehen sorgte. ipdd überzeugte mit einem Ansatz, der sich zwar eng an die vorhandenen Strukturen anlehnte, aber dennoch entscheidende Bereiche ins Visier nahm. Denn der Spielraum für das Redesign stellte sich als ausgesprochen klein heraus, an der Konstruktionsweise des Stahlfachwerks von Turm und Ausleger ließ sich ebenso wenig ändern wie an der gesamten, fein austarierten Statik.
Also besann man sich bei ipdd auf formale Optimierungen, mit der die Nah– und Fernwirkung prägnanter und auch schlüssiger werden würde. Und nicht zuletzt auch Hersteller Liebherr besser erkennbar machen sollte – auch im zusammengeklappten Zustand. Diese Änderungen machen sich vor allem an der Basis bemerkbar, mit den klappbaren Stützen, den Gewichten, Schaltschränken, der Drehbühne und dem Turmansatz.
Dominierte zuvor das Prinzip der Addition einzelner Elemente mit visueller Uneinheitlichkeit, so zielte die Arbeit von ipdd auf eine konsistentere, flächigere Formensprache. Die Drehbühne erhielt eine neue Dickblechverkleidung und damit eine kompaktere Optik mit dynamischer Linienführung von der Gewichtauflage hinunter zu den Schaltschränken und wieder hinauf zum Turmflansch. Auch die vier Stützen mit ihrem Doppel-T-Querschnitt wurden „verdickt“: zwei parallele Bleche ersetzen die mittige Aussteifung und lassen die Stützen geschlossener, statischer wirken. Auch die Kabelführung ließ sich so zwischen die Bleche verlegen, die Anmutung wirkt aufgeräumter.
Waren die Betongewichte tabu, so galt dies nicht für die beiden Schaltschränke an der Drehbühne. Die definierte man als unternehmenstypische Merkmale und gestaltete sie neu – mit nach oben aufschwenkenden Türen aus Kunststoff. Und die Trennlinie der zweifarbigen Lackierung der Türen – oben Weiß und unten in der Hausfarbe Gelb – nimmt die Schräge der Drehbühne dahinter auf. Überhaupt die Farben: Die ganze Basis ist jetzt in einem mittleren, neutralen Grau lackiert, einschließlich der Stützen, der Gewichtauflage und des Turmflansches. Dort dockt die vertikale Fachwerkkonstruktion an, in Gelb gehalten und so die Funktionen farblich trennend.
Im Turm befindet sich übrigens eine Kabine, die aber nur selten genutzt wird, weil die Steuerung meist vom Boden aus per Fernbedienung erfolgt. Ähnlich wie die Steuerschränke zeigt sich auch die Kabine in Weiß und Gelb, auch hier mit schräger Linienführung, die die diagonalen Fachwerkstreben aufnimmt. Übrigens zeigt sich der Turm wie auch der Ausleger nicht durchgängig in Gelb. Der Teil des Turmes, der teleskopisch nach oben fährt, ist in Grau gehalten – wie auch das innere Segment des maximal 40 Meter großen Auslegers.
Insgesamt bietet das Redesign ein ausgesprochen aufgeräumtes Äußeres, eine prägnantere Form und eine klare Farbsprache, die die Hausfarbe Gelb in ihrer Prominenz besser zur Geltung bringt. Für den Entwurf nutzte man bei ipdd SolidWorks, Liebherr transferierte die Daten dann in das eigene System, mit dessen Hilfe sich auch die Statik verifizieren ließ.
Links
www.i-pdd.com
Liebherr-Baukranke
Fotos
ipdd
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