34. Plagiarius verliehen

Ausgezeichnet: Die Kopie des Glasschneiders „Silberschnitt 100.0“. Das Original (links) produziert die Bohle AG in Haan, das Plagiat kommt von der Royal Union Corporation aus Ningbo (China) | Foto: Plagiarius
Produktfälschungen werden immer dreister und treffen nicht mehr nur allein Markenhersteller.
Rechtzeitig zur Messe „Ambiente“ wurde wieder der „Plagiarius“ verliehen, zum 34. Mal bereits in Serie. Wobei verleihen eigentlich die falsche Bezeichnung ist, denn der Preis ist kein Preis, sondern eher eine Strafe. Zumindest für denjenigen, der hemmungslos die Produkte anderer Unternehmen fälscht. Der „Plagiarius“ versteht sich auch als Negativauszeichnung, der einen kleinen Einblick in die hydragleiche Parallelwelt der Produktfälscher gibt. Der „Plagiarius“ entblößt sozusagen die Spitze eines Eisberges, den schon längst die global agierende organisierte Kriminalität mit immer neuen Fälschungen wachsen lässt. „Produktfälschungen sind mit vergleichsweise geringem Risiko verbunden, die Margen sind weitaus höher als beim Drogenhandel und die soziale Ächtung ist gering – kein Wunder, dass sich die organisierte Kriminalität hier zunehmend austobt“, so Frank A. Dassler in seiner Laudatio zur Preisverleihung.
Insofern ist die Aktion Plagiarius eine wichtige, von Rido Busse 1977 als Verein ins Leben gerufene Institution, dessen öffentlichkeitswirksamste Aktion eben der alljährliche Schmähpreis ist. Und mit dem 2007 eröffneten Museum Plagiarius in Solingen wurde die Aktion zu einer Dauereinrichtung. Derzeit sind dort mehr als 350 Originale und Plagiate zu sehen – Produzenten, Händlern und Designern wird hier gezeigt, wie dreist und alltäglich die Fälscherei ist. Und auch Verbraucher können sich informieren, warum es sehr wohl einen der Unterschied zwischen Original und Plagiat gibt.
Am 25. April 2010 organisiert das Museum beispielsweise einen Aktionstag, um die Auswirkungen, aber auch Risiken von Produktpiraterie dem Endverbraucher nahe zu bringen. Neben der spektakulären Vernichtung von Plagiaten soll es auch Vorträge, Präsentationen und weitere Aktionen geben.
Zurück zum „Plagiarius 2010“, dessen zehnköpfige Jury wie immer in erster Linie Consumerprodukte ins Visier nahm. 43 waren es an der Zahl, also die oberste Spitze der Spitze. Vergeben wurden drei Preise, sechs Auszeichnungen und zwei Sonderpreise. Ab dem 19. Februar sind die Ergebnisse im Solinger Museum zu sehen.
Interessant wäre es natürlich, den nicht weniger betroffenen Bereich des Investitionsgüterdesigns zu würdigen – zumal hier tendenziell sehr viel stärker Sicherheitsaspekte tangiert werden.
Zumindest ein Handwerkzeug ist unter den Auszeichnungen: Der Glasschneider „Silberschnitt 100.0“ des Haaner Herstellers Bohle AG. Das Tool im traditionellen Outfit mit Holzgriff wurde perfekt in China nachgebaut. Und zwar von der wohlklingenden Royal Union Corporation in Ningbo, als deutscher Vertriebspartner fungiert Euro Shop, hinter dem die Paul Gmbh&Co. KG in Gießen steht. Erst diese Kombination mit „Mittätern“ vor Ort öffnet den Plagiaten letztlich die Märkte.
Link
www.plagiarius.com
Fotos
Plagiarius


















