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Bergungsraeumgeraet(1)

Drei Funk­tio­nen in einem: Das für Ber­gun­gen kon­zi­pierte Fahr­zeug ver­eint Bag­ger, Kran und Rad­la­der. Momen­tan ent­steht es als Modell im Maß­stab 1:10 | Abbil­dung: Chris­tian Mogel

Das neu­ar­tige Ber­gungs­räum­ge­rät für den Kata­stro­phen­ein­satz – ein Gro­ßer Beleg an der TU Dresden

Dem neuen Arbeits­fahr­zeug liegt ein mul­ti­funk­tio­na­les Kon­zept zu Grunde: es ist zugleich Rad­la­der, Bag­ger und Kran. Durch seine viel­sei­ti­gen Ein­satz­mög­lich­kei­ten kann es bei Kata­stro­phen­ein­sät­zen schnel­ler, fle­xi­bler und scho­nen­der arbei­ten – das ist wich­tig bei der Ber­gung von Ver­schüt­te­ten. Denn in Unfall– und  Kata­stro­phen­ge­bie­ten müs­sen häu­fig in kür­zes­ter Zeit unzu­gäng­li­che Gelän­de­ab­schitte oder zer­störte Zufahr­ten über­wun­den wer­den. Beim Ent­wurf des Fahr­zeugs wurde folg­lich inten­siv mit dem Tech­ni­schen Hilfs­werk zusam­men­ge­ar­bei­tet, das sol­che Rad­la­der für den All­zweck­ein­satz benötigt.

Als Basis diente ein gelän­de­gän­gi­ger und „selbst­fahr­fä­hi­ger“ Rad­la­der. Das ent­wi­ckelte Fahr­zeug kann – wie ein Rad­la­der – in der Grund­kon­fi­gu­ra­tion Schau­fel, Palet­ten­ga­bel sowie ande­res Groß­ge­rät tra­gen und bedie­nen. Damit kann das Arbeits­fahr­zeug Wege zum Ein­satz­ort schaf­fen, Plätze für Sani­täts– und Sam­mel­stel­len ebnen sowie Trüm­mer forträumen.

Unter dem Haupt­arm befin­det sich ein zwei­ter aus­fahr­ba­rer Zusatz­arm mit einer wei­te­ren Werk­zeug­schnitt­stelle. Die­ser zweite Arm hat in aus­ge­klapp­ter Posi­tion meh­rere beweg­li­che Glie­der und erfüllt dadurch die Funk­tion eines Bag­ger­arms. An die­sen kön­nen Press­luft­ham­mer oder Grei­fer mon­tiert wer­den, so dass das Fahr­zeug auch wei­ter ent­fernt lie­gende Trüm­mer anhe­ben, abstüt­zen oder zer­klei­nern kann, ohne selbst auf unpas­sier­ba­rem Grund fah­ren zu müs­sen. Sind Ver­schüt­tete noch nicht geor­tet, trägt ein Ber­gungs­fahr­zeug, das nicht stän­dig seine Posi­tion wech­seln muss, zur Sicher­heit der Ver­miss­ten bei.

Wird der Tele­sko­parm voll­stän­dig aus­ge­fah­ren, ist auch ein Ein­satz als Hebe­bühne oder als Kran mit der eben­falls am Fahr­zeug mon­tier­ten Seil­winde mög­lich. Die Winde kann ohne Arm auch zum Schlep­pen ande­rer Ein­satz­fahr­zeuge oder zum Sichern von ein­sturz­ge­fähr­de­ten Trüm­mern genutzt wer­den. Die ver­schie­de­nen Werk­zeuge las­sen sich schnell anschlie­ßen und wech­seln. So kön­nen die Hilfs­kräfte mit nur einem Fahr­zeug auf viele Situa­tio­nen am Kri­sen­ort rea­gie­ren. Das spart vor allem Zeit und Platz, denn häu­fig behin­dern sich dort ver­schie­dene Bau­fahr­zeuge gegen­sei­tig und ver­lang­sa­men dadurch die Arbeits­pro­zesse. Im Kata­stro­phen­fall zählt jedoch jede Minute.

Die Säch­si­sche Patent­Ver­wer­tungs­Agen­tur der GWT hat die erfolg­rei­che Paten­tie­rung des mul­ti­funk­tio­na­len Arbeits­ge­rä­tes beglei­tet. Sie über­zeugte das Ein­satz­fahr­zeug neben sei­ner Leis­tungs­stärke auch durch sein Design, weil es Kraft und Ver­trauen aus­strahlt. Man sieht dem Fahr­zeug an, dass es in Kata­stro­phen­fäl­len erfolg­reich Men­schen­le­ben ret­ten kann. Doch auch im all­täg­li­chen Bau­be­reich kann ein sol­ches Fahr­zeug nütz­lich sein. Für klei­nere Unter­neh­men mit häu­fig wech­seln­den Auf­ga­ben kann ein Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rät im Ver­gleich zu meh­re­ren teu­ren Spe­zi­al­fahr­zeu­gen kos­ten­güns­ti­ger sein. Eine wei­tere Ver­wer­tung des Ent­wur­fes ist ange­strebt und wird wei­ter verfolgt.

Gro­ßer Beleg
Die Ent­wick­lung des Fahr­zeu­ges dau­erte etwa ein Semes­ter und wird an der TU Dres­den als „Gro­ßer Beleg“ bezeich­net. Vom Auf­wand ist der „Große Beleg“ etwa so umfang­reich wie eine Diplom­ar­beit, er muss ebenso aus­führ­lich beschrie­ben und prä­sen­tiert wer­den – und ist damit eine Art Gene­ral­probe für die eigent­li­che Abschlussarbeit.

Visualisierung/Modell
Das CAD-Modell wurde in Solid­works auf­ge­baut und geren­dert, Nach­ar­bei­ten mit Pho­to­shop erstellt.

Hoch­schule
Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Dres­den, Zen­trum für Tech­ni­sches Design
Dr.-Ing. Dipl.-Formgest. Gün­ter Kranke
TU Dres­den / Fakul­tät Maschi­nen­we­sen
TU Dres­den / Zen­trum für Tech­ni­sches Design

Säch­si­sche Patent­Ver­wer­tungs­Agen­tur der GWT
Jens Voigt
www​.gwton​line​.de

Chris­tian Mogel ist sowohl Pro­dukt­de­si­gner als auch Ent­wick­lungs­in­ge­nieur – je nach­dem, was das aktu­elle Pro­jekt for­dert.
Chris­tian Mogel stu­dierte von Okto­ber 2002 bis August 2008 Tech­ni­sches Design an der TU Dres­den. Sein Diplom schloss er als Werks­di­plo­mand in der Design– und Ent­wick­lungs­ab­tei­lung von Metabo mit einem funk­ti­ons­fä­hi­gen Pro­to­typ eines neuen Akku­werk­zeu­ges ab. Fer­ner arbei­tete er wäh­rend des Stu­di­ums mit dem THW an sei­nem Gro­ßen Beleg, bei Schü­rer Design GmbH u.a. an moder­ner Reha-Technik oder bei Senn­hei­ser an neuen Mikro­fo­nen. Neben wei­te­ren Prak­tika im Bereich Maschi­nen– und Werk­zeug­bau war die Rea­li­täts­nähe für alle Stu­di­en­pro­jekte wich­tig – so arbei­tete Chris­tian Mogel in der Stu­di­ums­zeit auch als Free­lan­cer für ver­schie­dene Auf­rag­ge­ber im Bereich Pro­dukt­de­sign und Gar­ten­werk­zeuge sowie als Tutor für Tech­ni­sches Zeich­nen an der Universität.

Kon­takt
christianmogel(at)gmx.de

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