Neuer Combino für Bern

Der neue „Combino XL” in knallrotem Outfit | Foto: Paulussen
Frisch auf der Schiene: Der „Combino XL“ mit 41,5 Metern Länge.
Seit dem 5. Dezember 2009 rollen durch Bern zwei neue, knallrote Straßenbahnen, dort Tram genannt. Wer genau hinschaut, wird erkennen, dass diese Neuanschaffungen den bisherigen Trams sehr ähnlich sind – von der dynamischen Front abgesehen.
Tatsächlich sind die alten und neuen Bahnen Geschwister – beide stammen aus dem „Combino“-Modulbaukasten von Siemens Transportation. 15 Fahrzeuge sind schon seit Jahren in der schweizerischen Hauptstadt unterwegs, 2007 schrieb man 21 neue Bahnen mit einem Auftragsvolumen von 65 Millionen Euro europaweit aus. Den Zuschlag erhielt Siemens, offenbar waren die mit dem „Combino“ gesammelten Erfahrungen rundum positiv. Dafür spricht auch, dass acht der vorhandenen Bahnen 2008 um jeweils zwei Module auf 41,5 Meter verlängert wurden.
Exakt auf die gleiche Länge kommt der „Combino XL“ mit seinen sieben Modulen. Äußerlich unterscheiden sich die beiden Generationen vor allem durch ihre Kopfgestaltung. Die neue Bahn verfügt über eine weit herabgezogene, schräge Front – mit großer Scheibe, hinter der sich auch die Zielanzeige befindet. Die stromlinienförmige Optik ist nicht etwa hohen Geschwindigkeiten geschuldet – bei höchstens 60 km/h Betriebstempo spielt der cw-Wert nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr entwickelt sich die Kopfform aus der Forderung nach einem besseren Fußgängerschutz heraus – kein Wunder, denn die Tram von Bernmobil ist auch in viel frequentierten Fußgängerzonen unterwegs.
Die Gestaltung dieser Front stellte Werner Paulussen, den zuständigen Designer aus Düsseldorf vor eine besondere Aufgabe. Paulussen gab dem „Combino“ schon wiederholt individuelle „Gesichter“, schließlich ist die modulare Konzeption exakt darauf ausgelegt, die Fronten den Betreiberwünschen anzupassen. Bernmobil wünschte sich ein sehr elegantes, kraftvolles, vom Ausdruck neutrales Design für die neuen Combinos. Das Kopfdesign muss aber auch noch andere Kriterien berücksichtigen – die Arbeitsplatzvorgaben des Fahrer, den Kostenrahmen und die Abmessungen. Gerade die haben in Bern eine besondere Rolle gespielt, schließlich durfte die Bahn nicht länger werden. So musste in nur 1,68 Meter langen Kopf auch noch ein Crashelement Platz finden, das Fahrer und Passanten bei Unfällen schützt. Und im Passagierbereich widmete sich Paulussen den Haltestangen, Leuchten, Türklappen, um den Innenraum noch übersichtlicher und heller zu machen.
Während der aus Aluminium-Profilen geschweißte, 2,3 Meter breite Wagenkasten einen konstanten Querschnitt aufweist, verjüngt sich der Kopfbereich deutlich. Das ist erstens der besseren Kurvengängigkeit geschuldet, macht die Bahn aber auch visuell ansprechender, weil weniger massiv. Von der Seite gesehen, beschreibt die Front des Kopfes einen harmonischen Bogen, die Seitenfenster sind weit hinabgezogen, bis auf die Unterkante der Fenster im Passagierbereich. Nach vorne hin setzt eine dunkle Lackfläche das Fenster mit einem Schwung bis auf die Höhe des Frontrammschutzs fort. Damit erhält der Kopf ein kompaktes, aber durchaus dynamisches Bild.
Auch sonst zeigt der „Combino XL“ einige denkwürdige Details. So kann der Fahrer über Kameras die hinteren Einstiege überwachen, tief angebrachte Anzeigen für die Liniennummern im Front– und Heckbereich sind für Sehbehinderte gedacht, hydraulisch gedämpfte Wankkopplungen der Bahnteile soll die Fahrt in Kurven spürbar ruhiger machen. Und ein drei Meter langer Stehplatzbereich bietet endlich ausreichend Platz für Rollstühle und Kinderwagen.
Fotos
Werner Paulussen
Links
www.paulussen.com
www.siemens.ch/mobility
www.bernmobil.ch
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