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Elektrisch auf zwei Rädern

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Das E-Bike „Elmoto HR-2“ kom­bi­niert geschickt viele Stan­dard­kom­po­nen­ten zu einem neuen, agi­len Elek­tro­fahr­zeug für die urbane Mobi­li­tät | Foto: Indus­trial PDD

Der Markt für elek­trisch betrie­bene Zwei­rä­der wächst in rasant – und teilt sich in zwei große Berei­che. Da wären zum einen die so genann­ten „Pedel­ecs“, das sind Fahr­rä­der mit kon­ven­tio­nel­lem Mus­kel­an­trieb und mehr oder weni­ger effek­ti­ver elek­tri­scher Unter­stüt­zung. Zum ande­ren wären da die aus­schließ­lich elek­trisch ange­trie­be­nen „E-Bikes“, also eher Ver­wandte der tra­di­tio­nel­len Klein­kraft­rä­dern. Wäh­rend der Markt mit „Pedel­ecs“ über­schwemmt wird, sind „E-Bikes“ noch ver­gleichs­weise rar.

Desi­gner ent­wi­ckeln selbst
Eines der ers­ten Ver­tre­ter die­ses spe­zi­ell für die urbane Mobi­li­tät gedachte Sparte nennt sich „Elmoto HR-2“ und wurde nicht etwa von einem Zwei­rad­her­stel­ler, son­dern vom Stutt­gar­ter Desi­gn­büro Indus­trial PDD ent­wor­fen, ent­wi­ckelt, kon­stru­iert, ges­tes­tet, opti­miert – und gebaut. Dies zeigt, wie sehr sich der klas­si­sche Zwei­rad­markt durch die Elek­tri­fi­zie­rung im Umbruch befin­det – und mit wel­chem Selbst­be­wusst­sein Desi­gner heute ihre ange­stammte Rolle als „Nur-Gestalter“ ver­las­sen. Das betrifft auch die gerade anlau­fende Seri­en­pro­duk­tion, für die das Toch­ter­un­ter­neh­men ID-Bike GmbH gegrün­det wurde. „Der Ver­trieb ist ein ande­res Geschäft als die Ent­wick­lung“, sagt Wolf Gei­bel. Gei­bel ist einer von drei Geschäfts­füh­rern des von Ste­fan Lip­pert gegrün­de­ten Büros mit heute 25 Mitarbeitern.

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Elmoto“ mutierte in nur einem Jahr vom Pro­to­ty­pen zum Seri­en­mo­dell – und erfüllte damit die Prä­misse, mög­lichst schnell im wach­sen­den Markt zu sein.

Schnell­start nach nur einem Jahr
Erst­mals wurde „Elmoto“ auf der Messe Euro­bike 2008 als Ver­suchs­bal­lon prä­sen­tiert, ein fahr­ba­rer Pro­to­typ mit damals noch mit Radna­ben­mo­to­ren vorne und hin­ten. Die Reso­nan­zen waren so eupho­risch, dass inner­halb eines Jah­res der Übergang zum Vor­se­ri­en­mo­dell voll­zo­gen wurde. 2009 stand „Elmoto“ dann erneut auf der Messe – die ers­ten Order wur­den geschrie­ben. „Wir woll­ten vor allem schnell am Markt sein“, erläu­tert Desi­gn­ma­na­ger Sebas­tian Rie­ger die Stra­te­gie. Schnell bedeu­tet, häu­fig Stan­dard­kom­po­nen­ten aus dem Bike-Bereich zu ver­wen­den. Etwa die Downhill-Federgabel von Mar­zoc­chi, die Berei­fung oder die optio­na­len Schutz­ble­che – im Detail sind so durch­aus for­male Brü­che erkenn­bar, wur­den aber bewusst in Kauf genom­men. Ins­ge­samt sollte der Auf­wand mög­lichst gering blei­ben, daher zeigt „Elmoto“ auch wenig werk­zeu­gin­ten­sive Ver­klei­dun­gen. Die Box um Akku und Steue­rung besteht aus Tief­zieh­tei­len, die schau­mun­ter­füt­terte Leder­pols­te­rung des lang­ge­zo­gene Sat­tels basiert auf einer Alu-Grundschale, das Cock­pit am Len­ker mit Dis­play wird als zwei­tei­li­ges Ele­ment per Spritz­guss gefertigt.

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Das Cock­pit besteht aus zwei Spitz­guss­tei­len und wurde wie auch das Inter­face und das Bat­te­rie­ma­nage­ment vom Desi­gn­büro selbst entwickelt.

Pro­duk­tion in Deutsch­land
Die Seri­en­fer­ti­gung, auch die des Alu-Rahmens, über­nimmt ein Pro­duk­ti­ons­part­ner in der Nähe Stutt­garts, was eine schnelle Reak­tion auf Ände­run­gen mög­lich macht. Der Kos­ten­vor­teil bei einer Pro­duk­tion in Fern­ost wäre mini­mal gewe­sen, so Gei­bel. Wich­ti­ger war den Desi­gnern die Fle­xi­bi­li­tät und der Fak­tor Qua­li­tät. So wurde zusam­men mit den jewei­li­gen Her­stel­lern die Brems­he­bel und auch der im Hin­ter­rad sit­zende Naben­mo­tor opti­miert. Der ver­fügt über eine Nenn­leis­tung von 1,7 kW und bezieht seine Ener­gie aus einem crash­ge­schütz­ten Lithium-Ion-Akku (48V/25Ah). Bis zu 65 Kilo­me­ter soll die Reich­weite betra­gen, bei Tempo 45 und rasan­ten Beschleu­ni­gungs­vor­gän­gen. Das elek­tro­ni­sche Bat­te­rie­ma­nage­ment hat Indus­trial PDD übri­gens selbst ent­wi­ckelt – hier wie beim gesam­ten Pro­jekt hal­fen die tech­ni­schen Erfah­run­gen mit dem Elek­tro­scoo­ter „Luxx“, der eben­falls in Eigen­re­gie ent­wi­ckelt wurde.

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Mit dem Scoo­ter „Luxx“ sam­melte man bei Indus­trial PDD schon vor eini­gen Jah­ren Ent­wick­lungs­er­fah­run­gen mit der Elektromobilität.

Preis­werte Mobi­li­tät
Der­zeit läuft die EU-konforme Zulas­sung in der Klasse L1E, gefah­ren wer­den kann „Elmoto“ ab 16 Jah­ren mit der Füh­rer­schein­klasse M wie ein Klein­kraft­rad. „Im Moment ist die Nach­frage höher als die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten“, so Sebas­tian Rie­ger. Was nicht wun­dert, denn das Fah­ren mit dem agi­len E-Bike macht nicht nur aus­ge­spro­chen Spaß, es ist auch preis­wert: „Der Strom für 100 Kilo­me­ter kos­tet etwa 50 Cent.“ Auch die War­tung für mecha­ni­sche Ele­mente wie Getriebe, Kupp­lung oder Antriebs­strang ent­fällt, was die lau­fen­den Kos­ten redu­ziert. Als Knack­punkt könnte sich aber der Akku erwei­sen: Nach den übli­chen 1000 Lade­zy­klen gilt er als erschöpft und muss aus­ge­wech­selt wer­den. Aller­dings würde das im Ide­al­fall stol­zen 65000 Kilo­me­tern Lauf­leis­tung ent­spre­chen, was die Rele­vanz wie­der rela­ti­viert.
Neben­bei: Der Ener­gie­ver­sor­ger EnBW nimmt „Elmoto“ in seine Feld­stu­die auf, die bis Mitte 2011 die städ­ti­sche Elek­tro­mo­bi­li­tät in der Region Stutt­gart tes­ten soll.

Links
www​.​i​-pdd​.com
www​.elmoto​.com

Fotos
Indus­trial PDD

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