„Jetzt Strategien entwickeln!”

Eckhard Köbler, Chef von Heidelberg Industrial Design vor Lackmustern für Druckmaschinen.
Eckhard Köbler von Heidelberg Industrial Design.
Herr Köbler, die Krise hat auch das Investitionsgüterdesign erreicht. Wie gehen Sie damit um?
Nun, auch bei Heidelberger Druckmaschinen ist derzeit Kurzarbeit angesagt. Wir hier im Design arbeiten zur Zeit an der Optimierung bestehender Anlagen bzw. begleiten den Serienanlauf. Und für die nächste Leitmesse, die Drupa 2012, bereiten wir die breite Umstellung auf die 2008 vorgestellte neue Designlinie vor.
Viele Ihrer Kollegen berichten über Stornierungen oder Verschiebungen. Bleibt das Design in der Krise mittelfristig auf der Strecke?
Der Kostenanteil von Design bewegt sich im Promillebereich der Gesamtkosten, die für ein neues Produkt anfallen. Da stellt sich die Frage, was für ein Unternehmen letztlich teurer ist – ein Profidesign oder der Verzicht auf Design.
Die momentane Situation sollte man aktiv nutzen, um neue Unternehmensstrategien zu entwickeln und daraus dann Gestaltungsparameter ableiten. Beim Wiederanlaufen des operativen Geschäfts ist man dann bestens aufgestellt. Wir bei Heidelberg haben schon 2008 unsere Strategie überarbeitet und arbeiten nun bereits an deren Umsetzung.
Wird sich das Design durch die Wirtschaftskrise ändern?
Das ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall wird es mehr denn je ökologischen Aspekten folgen. Wir Designer sollten uns daher dem Thema stellen, wie wir ökologische sowie wirtschaftliche Aspekte gestalterisch interpretieren und stilistisch darstellen.
Sie sind fest im Heidelberger Konzern verankert. Trotzdem öffnen Sie sich auch Drittkunden – wieso?

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Wir wollen noch besser werden. So können wir viele Erfahrungen, unsere Ressourcen, unser Know-how und das aus anderen Unternehmensbereichen wie etwa der Technologie– oder Umweltabteilung als Benefit an andere Unternehmen weitergeben. Desweiteren bewegen wir uns damit auch stärker in andere Branchen hinein und recherchieren bei unseren freien Designthemen breiter. Nahe wie auch ferne Analogien fördern unsere Kreativität – dadurch werden wir wiederum besser.
Heidelberger ist ja ein globalisiertes Unternehmen, das auch in China präsent ist. Was bedeutet dies für das Design der Maschinen?
Wir haben uns bei Heidelberg für die Baugleichheit aller Maschinen entschieden – gestalterische Anpassungen an die nationalen Märkte finden nicht statt. In den USA und Europa ist der Grundtenor gleich, in China setzen westliche Technologien und Maschinen noch immer die Maßstäbe. Dies ist das Ergebnis unserer eigenen kulturellen Recherchearbeit unter Einbeziehung asiatischer Designer und Kunden.
Wir produzieren in China vor Ort für den dortigen Markt, mit dem gleichen Qualitätsanspruch wie hier. Dazu haben wir die Lieferanten und Produzenten dort auf unser Niveau gebracht.
Was muss Investitionsgüterdesign künftig leisten?
Je komplexer die Technologien, desto schwerer wird es, sie argumentativ zu verkaufen. Dem Design kommt immer mehr die Rolle zu, das technologische Niveau zu visualisieren. Und auch die so genannte zweite Ebene von Anlagen, also die Wartungsebene, muss stärker in unseren Fokus rücken. Da gilt es, die von der äußeren Form erzeugte Erwartung nicht durch ungestaltetes Innenleben zu enttäuschen.
> Info
Heidelberg Industrial Design wurde 1982 als interne Designabteilung der Heidelberger Druckmaschinen AG gegründet. Seit 1996 beschäftigt sich das heute neunköpfige Team mit globalen Designaufgaben, 2007 hat man sich für externe Kunden geöffnet. Eckhard Köbler ist seit 1994 Leiter der Designabteilung, die sich inzwischen stark in strategischen und operativen Designprojekten engagiert.
Jüngst erhielt Köblers Team gleich zwei Nominierungen zum Designpreis der Bundesrepublik Deutschland. Die Bogenoffset-Druckmaschine „Speedmaster XL 162“ und der Hochleistungsleitstand „Prinect Press Center“ sind die neuesten Produkte für den wachsenden Markt des Verpackungsdrucks. Eckhard Köbler selbst wurde zum Designberater für das Land Rheinland-Pfalz berufen.
> Link
www.design.heidelberg.com
> Fotos
Heidelberger Druckmaschinen AG
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